Sport : Positives im Umgang mit Positiven (Kommentar)

Ernst Podeswa

Merlene Ottey darf starten - Dieter Baumann nicht. Messen mit zweierlei Maß?

Auf den ersten Blick schon, denn beiden sind überhöhte Nandrolonwerte bei Dopinganalysen nachgewiesen worden. Der deutsche Verband (DLV) sprach gegen seinen vormaligen Saubermann eine vorläufige Wettkampfsuspendierung aus. Otteys Berater hatten Verfahrensfehler moniert, auf fraulich bedingte Nandrolonausschüttung hingewiesen und erreicht, dass Jamaikas Verband vom Dopingvorwurf abrückte. Weil der Weltverband IAAF noch nichts entschieden hat, gilt die Jamaikanerin durchaus regelkonform als startberechtigt.

Als die 39-jährige Berufsläuferin jedoch am Wochenende in Karlsruhe starten wollte, schlugen die Wellen der Empörung hoch. Antidoping-Aktivisten drohten, die Hallentore zu blockieren und massiv gegen einen 60-m-Auftritt der Karibikschönheit vorzugehen. Athleten und Meetingdirektoren protestierten. DVL-Präsident Helmut Digel fand das Vorhaben skandalös und schob der IAAF den Schwarzen Peter zu.

Noch im Vorjahr hatte die Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, dass ein Dopingüberführter in den Stadien als Zugnummer präsentiert wurde. US-Sprinter Dennis Mitchell, vom nationalen Verband nicht gesperrt, lief, kassierte und wurde später von der IAAF für zwei Jahre gesperrt.

Doch der Fall Baumann hat die Sensibilität in Dopingfragen erhöht. Auch bei der IAAF, die nun die Schrauben anziehen und dem Schaulaufen von Dopingverdächtigen bis zu deren definitiver Sperre einen Riegel vorschieben will. Insofern hat die Konsequenz des DLV im Umgang mit positiv Getesteten etwas Positives.

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