• Pressestimmen zum Rücktritt von Fifa-Chef Blatter: "Sepp Blatter hat sich selbst aus dem Spiel geworfen"
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Pressestimmen zum Rücktritt von Fifa-Chef Blatter : "Sepp Blatter hat sich selbst aus dem Spiel geworfen"

Erleichterung allenthalben nach der Rücktrittsankündigung von Sepp Blatter. In den internationalen Medien wird über die Gründe spekuliert und die Frage aufgeworfen, wie es nun weitergeht. Eine Übersicht der Pressestimmen.

Sepp Blatter will die Fifa hinter sich lassen - so schwer es auch fällt.
Sepp Blatter will die Fifa hinter sich lassen - so schwer es auch fällt.Foto: AFP

USA:

„New York Times“: „Was könnte im Kopf von Blatter, der die Fifa 17 Jahre wie ein Diktator führte und so begierig vier mehr erwartete, wunderbarer gewesen sein als vier weitere Jahre im Amt? Doch irgendetwas muss passiert sein zwischen Freitag und Dienstag, als er zurücktrat. Irgendetwas, furchtbar genug und besorgniserregend genug, um ihn Deckung suchen zu lassen, nur Tage nach der überwältigend gewonnenen Wahl. Und nur knapp vor den Ermittlern des amerikanischen Justizministeriums.“

„New York Post“: „Der skandalumwitterte Sepp Blatter hat sich selbst aus dem Spiel geworfen (...) Es ist bizarr, wenn er jetzt erklärte, er könne am besten die Fifa wieder aufräumen.“

„New York Daily News“: „Sepp Blatters Rücktritt wird in der Fußballwelt als großartige Nachricht gesehen. (...) Warten Sie nicht auf einen Nachfolger, gehen Sie jetzt. Er hat vermutlich genug Geld auf die Seite geschafft, um bequem in den Schweizer Bergen zu leben oder auf einer der kleinen Inseln, von denen seine Stellvertreter Bestechungsgelder nahmen. Aber eine weniger bequeme Unterkunft ist auch möglich.“

GROSSBRITANNIEN:

„The Times“: „Sepp Blatters Rücktritt als Fifa-Präsident war längst überfällig. Es ist gut, dass er geht. Die Beweise der US-Ermittlern scheinen zu bestätigen, dass die Fifa durch und durch verdorben war, und von einem Klüngel in einer Fünf-Sterne-Welt unter der nachsichtigen Aufsicht Blatters geführt wurde. Die Fifa muss nun einen unwahrscheinlich anmutenden Prozess einleiten, um einen ehrlichen Führer zu suchen.“

„Daily Telegraph“: „Weltmeisterschaften in Russland und Katar nach Blatter-Rauswurf unsicher.“

„Daily Mirror“: „Ein großer Tag für den Fußball.“

„The Sun“: „Die Fußballwelt ist in Freude vereint nachdem Sepp Blatter zum Rücktritt als Fifa-Boss gezwungen wurde.“

„Daily Mail“: „Hier geht's raus, Sepp!“

„Independent“: „Feiern, ja, aber Blatters Abgang muss zu echten Veränderungen führen.“

„The Guardian“: „Niedergang - Blatter geht.“

FRANKREICH:

„Libération“: „Fifa Nostra. Heiliger Blatter, er hat uns bis zum Ende lachen lassen. (...) Was werden die 133 Verbandschefs denken, die für ihn gestimmt haben?“

„Le Figaro“: „Blatter hat also die Waffen gestreckt. Gerade mal vier Tage nach seiner Wiederwahl an die Spitze der Fifa. Eine unglaublich dramatische Wendung, verursacht durch eine weitere Enthüllung.“

„Ouest-France“: „Die überraschende Bekanntmachung hat die Wirkung einer Bombe für die Fußballwelt. Ein unfassbares Erdbeben nach den Maßstäben des Geschäfts Fußball. Er (Blatter) hielt sich für unzerstörbar, unbesiegbar, unverzichtbar.“

ITALIEN:

„Corriere della Sera“: „Weil sich niemand über jedem moralischen Urteil erhaben fühlen kann, war der Mann, der vor 40 Jahren zur Fifa kam, gezwungen, vier Tage nach seiner Wiederwahl aufzugeben. Die Festnahme von hochrangigen Fifa-Mitgliedern wegen Korruptionsvorwürfen haben Blatters Sturz unvermeidlich gemacht (...). Blatter war ein großer Erneuerer, er hat die Regeln des Fußballs geändert, um ihn spektakulärer zu machen, er hat die Umsätze mit Hilfe von Sponsoren vervielfacht, er hat die Fernsehrechte wie Gewicht von Gold verkauft, er hat die Fifa und die Fußballweltmeisterschaft modernisiert. Aber er hat den Fehler gemacht, sich unbesiegbar zu fühlen. Die WM an Russland und Katar zu vergeben, war sein Waterloo.“

SPANIEN:

„El País“: „Die anstehende Wahl eines neuen Fifa-Präsidenten ist ein idealer Moment, eine Neugründung des Weltfußballverbandes zu beginnen. Die Organisation darf nicht mehr die Möglichkeit zu korrupten Machenschaften bieten. (...) Das Management der Fifa zu ändern und den Verband zu einer transparenten Organisation zu machen, wird komplizierter sein.“

„El Periódico de Catalunya“: „Nur vier Tage nach seiner Wiederwahl erklärt Blatter seinen Rücktritt. Er hatte keine andere Wahl, als dem internen und externen Druck nachzugeben.“

„Marca“: „Blatter ergibt sich. In den USA wird angeblich auch gegen ihn wegen Korruptionsverdachts ermittelt.“

„As“: „Blatter sagt, er trete zurück, aber er bleibt weiter im Amt. Er führt die Geschäfte bis zur Abhaltung eines außerordentlichen Kongresses und der Wahl eines neuen Präsidenten.“

SCHWEIZ:

„Neue Zürcher Zeitung“: „Dem Weltfußball dürften turbulente Wochen bevorstehen, wobei die zentralen Aspekte nicht nur Blatters Nachfolge, sondern auch die Beweggründe für seinen Abgang betreffen werden. Es gibt Spekulationen, Blatter gehe nicht einfach dem Fifa-Frieden zuliebe, sondern kapituliere vor juristischen Untersuchungen. Der Walliser steht zwar seit Jahren einer von Korruption geprägten Organisation vor, doch kriminelle Machenschaften sind ihm noch nicht nachgewiesen worden.“

„Tagesanzeiger“: „'Schlangenkopf' oder 'Jesus'? Fast weltweit verehrt, in seiner Heimat verachtet: Der Walliser machte sich während seiner 17-jährigen Amtszeit nicht nur Freunde. (...) Paradoxerweise wurde er als Vertreter Europas ausgerechnet auf seinem Kontinent am meisten kritisiert, nicht zuletzt auch in seinem Heimatland.“

„Blick: „Und jetzt geht er doch? Dann hat er etwas falsch gemacht? Liegt gegen ihn etwas Belastendes vor? Oder reicht ihm die Wiederwahl von letzter Woche für sein Vermächtnis? Oder sind es private Gründe? Noch am Kongress im Hallenstadion in Zürich-Oerlikon beteuerte Blatter, den Fußball vom Ruch der Korruption befreien zu wollen - als Präsident. (...) Bei seinem Abgang gestern tönt er anders, verbittert, geknickt.

ÖSTERREICH: „Die Presse“: „Eines aber dürfen alle Kritiker nicht vergessen: Blatter hat die Fifa zu dem gemacht, was sie ist; ein Unternehmen mit zwei Milliarden Dollar Jahresumsatz, ein Weltkonzern. Die Vermarktung des WM-Pokals ist ein Selbstläufer, jeder Amateur könnte es. (...) Blatter war ein Top-Manager mit Kontakten, Geschäftssinn und Verhandlungsgeschick. Die Fifa hat unter seiner Leitung den Fußball an den Bestbieter verkauft, ja; aber extrem hochpreisig. Und ausschließlich an dieser Summe wird nun sein Nachfolger gemessen.“

NIEDERLANDE:

„De Telegraaf“: „Blatter, Game Over! ... Der Fußballkaiser Joseph 'Sepp'Blatter, der sich selbst unangreifbar wähnte, ist dann doch von seinem Thron gefallen.“

„Trouw“: „Gestern kam gleich im Westen Europas die Hoffnung auf, dass die Fifa doch gesäubert werden könnte. Aber so weit ist es noch nicht. Nicht nur, weil Europa sich erst selbst noch vereinigen muss. Aber auch weil mit Sepp Blatter ein Gegner weicht, der immer noch in der Lage ist, trotz seiner Niederlage andere nicht gewinnen zu lassen.“

„De Volkskrant“: „Das Schiff, über das Sepp Blatter noch am Freitag nach seiner vierten Wiederwahl so feurig sprach, ist dann doch endgültig gestrandet. ... In seiner Periode als Fifa-Vorsitzender entwickelte sich die Organisation zu einer Geldmaschine von unglaublichem Ausmaß. Die Milliarden, die in die Fifa-Kasse strömten, waren zugleich der Brandstoff für eine endlose Reihe von Korruptionsskandalen.“

RUSSLAND:

„Kommersant“: „Der Korruptionsskandal des Fußball-Weltverbandes hat eine sensationelle Fortsetzung erhalten. Der Rückzug von Joseph Blatter ist eine unangenehme Nachricht für Russland, das einer von Blatters treuesten Verbündeten im Kampf um den Präsidentenstuhl war.“

„Rossijskaja Gaseta“: „Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam die Erklärung des vergangene Woche gewählten Fifa-Präsidenten Joseph Blatter. (...) Blatter wurde bei irgendetwas erwischt. Ein Mensch bei völlig gesundem Verstand und Gedächtnis kann nicht innerhalb weniger Tage so drastisch seine scheinbar unerschütterliche Haltung ändern.“

„Sowjetski Sport“: „Es ist offensichtlich, dass nur ein sehr ernster Grund Blatter zum Rücktritt bewegen konnte, der immer taub gegen Kritik und Korruptionsvorwürfe in seiner Organisation war.“

„Sport Express“: „Der Rücktritt Blatters ist eine Tatsache, die für die russischen Interessen unangenehm und beunruhigend ist. (...) Aber da bislang nichts Ernstes (gegen Russland) bekanntgeworden ist, dürfte Blatters Rückzug keine fatalen Folgen für unsere Weltmeisterschaft (2018) haben.“

TSCHECHIEN:

„Lidove noviny“: „Der gerissene Schweizer Funktionär hinterlässt eine Organisation, die sich nach seinen Prinzipien und seinen Regeln verhalten hat. Leider spielten sie der Korruption zu. Ein Verdacht fällt auf alle zurückliegenden Wahlen von WM-Veranstaltungsorten (Südafrika 2010, Brasilien 2014, Russland 2018 und Katar 2022). Beobachter sind der Überzeugung, dass Blatters Ende die schlechtestmögliche Nachricht für Katar ist, das die WM verlieren könnte.“

„Pravo“: „Der 79-jährige Fifa-Chef Sepp Blatter hat nur vier Tage nach seiner Wiederwahl den Rücktritt erklärt. Der Korruptionsskandal, der vorige Woche kurz vor dem Wahlkongress ausgebrochen war, hat ihm am Ende doch noch das Genick gebrochen.“

„Hospodarske noviny“: „Der Fifa-Skandal erschüttert weiter den Weltfußball. Sepp Blatter hat seinen Rücktritt als Fifa-Präsident nur wenige Tage nach Beginn seiner fünften Amtszeit erklärt. Viele Experten hatten seine Wiederwahl als Zeichen gewertet, dass der Weltfußball nicht bereit ist, sich von den zahlreichen Korruptionsskandalen zu distanzieren. Doch zuletzt forderten bedeutende Sponsoren, bei der Fifa den Kehraus zu machen. Kritisch äußerten sich unter anderem Vertreter von Coca-Cola und Adidas.“

NORWEGEN: „Aftenposten“: „Ein Freudentag für den Fußball, aber entkorkt noch nicht den Champagner! Jetzt geht diese Epoche endlich zu Ende. Die Zeit wird zeigen, ob der Fußball in der Lage ist, sich zu behaupten nach all dem Müll, der in den letzten Wochen an die Oberfläche getreten ist.“ 

„Verdens Gang“: „Er klammerte sich an die Macht, als die Fußball-Delegierten versammelt waren, und gab sie auf, als alle wieder nach Hause gereist waren. So entwickelte sich Sepp Blatters Rolle im Machtspiel um den Weltfußball in vier Tagen von traurig bis absurd. (...) Die dramatische Entwicklung in den letzten Tagen bei der Fifa-Versammlung in Zürich beginnt mehr und mehr einem Skript für Hollywood zu ähneln.“

DÄNEMARK:

„Berlingske“: „Es ist ein Glücksfall für den Fußball, dass Sepp Blatter zurückgetreten ist. Auch wenn man vorsichtig sein muss, nicht zu naiv gegenüber der Natur des politischen Handwerks auf diesem Niveau zu sein, so darf man doch annehmen, dass vieles besser wird. So wenig war gut unter Blatter.“

SCHWEDEN:

„Svenska Dagbladet“: „Es gab keinen anderen Weg, um der vergammelten, abgestandenen Korruptions-Kultur in der Fifa ein Ende zu setzen. Obwohl Blatter nicht eines Verbrechens verdächtigt wird, ist er als Chef verantwortlich. Jetzt muss der ganze Dreck an die Oberfläche, soll das Reinigungsbad wirklich etwas bewirken.“

POLEN:

„Rzeczpospolita“: „Der Rücktritt von Sepp Blatter ist keine Überraschung, aber es hat wohl niemand damit gerechnet, dass er so schnell kommt. (...) Früher oder später mussten unangenehme Tatsachen öffentlich werden, denn nach der FBI-Aktion war der Fußball keine Oase für Betrüger mehr. Der Abgang Blatters muss der Beginn eines neues Kurses sein, man muss die Fifa zutiefst verändern. Das Übel des Fußballs war nicht Blatter selbst, sondern das System, das er schuf, und das verschwindet nicht automatisch mit seiner Entlassung.“

ARGENTINIEN:

„Clarín“: „Reform, das Wort versprach Blatter 2011, als er sich selbst eine Falle stellte: Er stellte ein Umwandlungspaket (der Fifa) vor, das in diese Weltkrise ausartete, die ihn mit sich zog. Es war ein schamvolles Szenario öffentlicher Geißelung, das Sepp selbst verhindern hätte können. Es war ihm egal. Und der Kaiser des Fußballs sah sich in einem Sechs-Tage-Krieg verwickelt, der mit seiner Kapitulation endete.“

„La Nación“: „Die USA, zu Recht im Laufe der Geschichte kritisiert und gefürchtet, können niemals eine WM gewonnen haben, doch ist bereits klar, dass sie eine entscheidende Rolle in der Geschichte des Fußballs spielen. Es wird in ein paar Jahren schwierig sein zu leugnen, dass der Fußball den US-Amerikanern viel schuldig ist. Was die Europäer nicht erreichten in langen Jahren des Klagens und mehr oder weniger gescheiterter Versuche, eine Opposition in der undurchsichtigen Fifa zu bilden, das wurde in den sechs eindrucksvollsten Tagen der internationalen Sportpolitik eingeleitet.“

ISRAEL: „YNET“: „Fifa wird in der nächsten Zeit mit der Wahl eines neuen Präsidenten beschäftigt sein und die Beschäftigung mit den palästinensischen Beschwerden wird sich verzögern. Sollte Uefa-Chef Michel Platini gewählt werden, wären das gute Nachrichten für Israel. Platini war zuletzt die wichtigste Kraft bei der Unterstützung Israels gegen die Forderung der Palästinenser nach einem Ausschluss (aus der Fifa). Aber auch wenn der Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien gewählt wird ist das nicht unbedingt schlecht für Israel.“ (dpa)

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