Sport : „Probleme zur Sprache bringen“

Olympia: Weiter Streit um die Menschenrechte

Robert Ide

Berlin - In der großen Welt der Sportpolitik kommt es meist auf die kleinen Töne an. Als Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), gestern die Gäste des ersten olympischen Kongresses in Berlin begrüßte, sprach er die Chefin der Sporthilfe mit „Liebe Frau Linsenhoff“ an. Den Vorsitzenden des Sportausschusses im Bundestag bedachte Bach dagegen mit einem „Sehr geehrter Herr Danckert“. Schuld daran sind die Olympischen Spiele in Peking, das heißt: die Diskussion darum. In der haben Bach, der auch Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, und der SPD-Politiker Danckert ganz unterschiedliche Auffassungen.

Auch am Freitag ließ Peter Danckert wissen, dass der Sport bei den Spielen in Peking stärker und öffentlich vernehmbarer auf die Menschenrechtslage in China hinweisen sollte. „Das Internationale Olympische Komitee muss sich mit seiner politischen Rolle intensiver befassen, als das bisher der Fall ist“, sagte Danckert am Rande des Kongresses auf Nachfrage. „Gerade in der Frage der Menschenrechte muss das IOC offensiver mit seinen Möglichkeiten umgehen und die Probleme klar zur Sprache bringen.“ Bach hatte dagegen in einem Tagesspiegel-Interview vor Symbolpolitik gewarnt: „Eine Gesellschaft verändert sich nicht dadurch, dass ein Außenstehender laufend den moralischen Zeigefinger hebt, sondern nur durch Bewegungen von innen.“ Auf dem Kongress ging Bach gestern nur indirekt auf die Debatte ein: Der Sport werde weiter streng darauf achten, „nicht zum bloßen Spiegel oder zum Spielball zu werden“.

Wie sie selbst dazu beitragen können, das wissen auch viele Athleten noch nicht genau. Armbändchen mit dem Spruch „Sports for human rights“ dürfen in den Wettkampfstätten nicht getragen werden – im Deutschen Haus der Athleten schon. Ehemalige Spitzenathleten und Olympioniken haben außerdem rote T-Shirts produziert, auf denen Slogans wie „Sports for Human Rights“, „Celebrate Humanity“, „Free Tibet“ sowie „Free China“ stehen – ebenfalls zum Tragen im Deutschen Haus in Peking. Zu den Unterstützern gehören Athleten wie Dieter Baumann oder Ines Geipel, die gerade ein Buch über Doping in China veröffentlicht hat. „Wir wollen keinem Athleten eine Haltung diktieren“, sagt Geipel, „aber vielleicht haben einige doch den Impuls, sich mit dem zu zeigen, was sie fühlen.“

Die T-Shirts sollen heute bei der Verabschiedung des deutschen Olympiateams durch Bundespräsident Horst Köhler übergeben werden. Ein Exemplar ist für Thomas Bach gedacht. Robert Ide

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