Sport : Punkt für Punkt nach vorn

Die Brasilianer Luizao und Marcelinho schießen Hertha BSC zum 2:0-Sieg über Hannover 96 – und damit noch ein Stück näher an die Champions League

Klaus Rocca

Berlin. Alles begann mit einem Einwurf. Thorben Marx stand drei, vier Sekunden an der Seitenlinie, schaute, dann lief er an, holte weit aus und schmiss den Ball in den Strafraum von Hannover 96. Michael Preetz, der Mannschaftskapitän von Hertha BSC stieg hoch, verlängerte den Ball mit der Schulter – und dann war da plötzlich Luizao, Herthas Brasilianer, der sich in den vergangenen Monaten auf dem Fußballplatz alles andere als geschmeidig bewegte. Diesmal war alles anders, schneller, viel schneller. Zehn Minuten waren gespielt, Luizao ging dem Ball entgegen, er streckte sein Bein weit nach vorn – und schoss dann den Ball über Hannovers Keeper Gerhard Tremmel zum 1:0 ins Tor.

Es war eine bewegende Szene, die dann folgte. Luizao sprang auf, schrie, immer lauter. Er rannte los und schlug sich mit der Hand immer wieder auf die Brust. Seht her! sollte das heißen. Seht alle her, ich kann es doch! An Herthas Ersatzbank angelangt, verschwand er in einer Traube des kollektiven Jubelns. Für Luizao war es das erste Bundesligator, das er aus dem Spiel heraus erzielte.

Am Ende gewann Hertha 2:0 (2:0) und wahrte sich so die Chance auf die Champions League. Zwei Punkte Rückstand sind es jetzt noch auf den VfB Stuttgart, den Tabellenzweiten, der am Samstag gegen Hansa Rostock nur 1:1 spielte. „Abgerechnet wird aber erst am Saisonende“, sagte Herthas Trainer Huub Stevens. „Wenn es dann die Champions League ist, ja, dann ist es halt die Champions League.“

Stevens mag diese Rechenspiele nicht. Genauso wenig wie Fragen nach Fredi Bobic, dem Stürmer von Hannover 96, der in dieser Saison schon 14 Tore erzielte und auch bei Hertha für die kommende Saison im Gespräch ist. Er ist genau deshalb im Gespräch, weil Hertha Probleme im Angriff hat. Alex Alves war gestern wieder einmal verletzt, und mit Luizao wussten die Hertha-Fans in dieser Saison nie so recht etwas anzufangen. Ein Tor hatte er bis gestern geschossen in all den Monaten. Und als er diesen einen Treffer vor sechs Wochen gegen 1860 München erzielte, schoss er den Ball auch noch ungestört vom Elfmeterpunkt. Für Luizao war das Tor gestern nun ein Stück Befreiung.

Hannovers Stürmer Fredi Bobic dagegen war kaum aufgelaufen. Einmal war es, in der 20. Minute, als er sich befreite, den Ball aber rechts am Tor vorbei schoss. Um den besten deutschen Torjäger kümmerten sich Josip Simunic und Dick van Burik, der nach seiner Gelb-Roten Karte ebenso wie Thorben Marx ins Team zurückgekehrt war.

Hannover spielte mutig nach vorn, ernsthaft in Gefahr geriet das Tor von Gabor Kiraly jedoch nicht. Hertha war konsequenter. Kurz vor der Halbzeit drang Luizao in den Strafraum ein, spielte quer auf Preetz – doch der wurde von Kostas Konstantinidis zu Fall gebracht. Elfmeter. Herthas brasilianischer Spielmacher Marcelinho legte sich den Ball zurecht, lief an, stoppte, und nachdem sich Hannovers Torhüter Tremmel für eine Ecke entschieden hatte, drosch Marcelinho den Ball in die andere. 45 091 Fans im Olympiastadion feierten ihren Klub – und das erste Mal auch Luizao.

Kurz nach der Pause war es erneut der brasilianische Stürmer, der sich auf der rechten Seite durchsetzte. Doch sein Pass auf die freistehenden Marcelinho und Preetz konnten Hannovers Abwehrspieler gerade noch wegschlagen. Als sich dann van Burik nach etwas mehr als einer Stunde an der rechten Wade verletzte und mit Verdacht auf Muskelfaserriss ausgewechselt werden musste, zog sich Hertha zurück. Hannover baute daraufhin sein Eckenverhältnis auf 12:3 aus – so richtig gefährlich wurden sie nicht mehr. Als Bobic den Ball über das Tor schoss, hob er frustriert die Arme. Herthas Manager Hoeneß atmete durch. Und dass Bobic ein guter Stürmer ist, weiß er eh schon.

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