Sport : Qianhong Gotsch holt EM-Titel im Damen-Einzel

Sie lebt ihre Emotionen an der Tischplatte aus. Wie kaum eine der vielen anderen chinesischen Spitzenspielerinnen. Ihr Sicherheitsspiel setzt sich fast immer durch. Auch gegen die Topspin-Spezialistin Mihaela Steff (Rumänien) fischte Qianhong Gotsch viele unmögliche Bälle zurück. Der Lohn blieb nicht aus: Die Tischtennis-Spitzenkraft vom Bundesligisten TSV Betzingen gewann in Bremen das Europameisterschaftsfinale im Damen-Einzel gegen Steff. Ihr Erfolgsrezept? "Mein Spielsystem ist ein Mischmasch", erklärt Gotsch schelmisch. Ihr spezieller Schlägerbelag (Noppen-Außen) verleiht den Bällen einen gefährlichen Schnitt. Nebenbei versteht sie sich auch darauf, exzellent anzugreifen und in der Offensive zu punkten.

1991 kam Qianhong Gotsch nach Deutschland. Sie spielte sieben Jahre für den SV Böblingen, erhielt im April 1998 den deutschen Pass. Danach begann ein unaufhaltsamer Aufstieg im Team des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Turniersieg folgte auf Turniersieg - mit dem Gewinn des Europa Top-12-Turniers als Höhepunkt. In der Weltrangliste kletterte die frühere chinesische Jugendmeisterin bis auf Position fünf. In Bremen rechtfertigte die Deutsche Meisterin trotz einiger Probleme im Teamwettbewerb ihre Favoritenrolle im Einzel.

"Ich war anfangs sehr nervös. Ein EM-Turnier in Deutschland ist auch für mich etwas Besonderes", erzählte die temperamentvolle Profi-Spielerin. Wegen einer fiebrigen Erkältung erhielt sie zwei Tage vor dem Endspiel eine Infusion. "Unser Arzt hat das einen Cocktail genannt", wunderte sich Qianhong Gotsch. Wegen einer Ellenbogenverletzung musste sie zuvor ebenfalls einen Arzt aufsuchen: "Der hat von einem Tennis- und Golf-Ellenbogen gesprochen. Dabei spiele ich nicht Golf, sondern Tischtennis."

Ernsthaft Tischtennis spielt Qianhong Gotsch seit nunmehr 17 Jahren. Dazu gehört auch tägliches Training, bis zu acht Stunden lang. In China hat sie Disziplin gelernt. Der Vorname Qianhong bedeutet "Tausend rote Rosen." Ihre Eltern hatten sich von einem Mao-Gedicht inspirieren lassen. Einige Lehren des chinesischen Ex-Führers sollten vielleicht auch die Damen des DTTB beherzigen. "Wir müssen uns als Mannschaft besser zusammenraufen. Notfalls muss der Trainer härter durchgreifen und mehr befehlen", erkannte die Europameisterin. Bundestrainer Martin Adomeit wehrt sich gegen derlei Kritik. Er stellt fest: "Einigen Spielerinnen muss man künftig Grenzen aufzeigen." Nachhaltige Disharmonien wegen Gotschs Äußerungen sind indes nicht zu erwarten. Adomeit: "Die Probleme werden dramatischer dargestellt, als sie es wirklich sind."

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