Sport : Quer nach vorn

Ex-Triathlet Cierpinski ist schnellster Deutscher

Frank Bachner

Falk Cierpinski stakste durch den Raum, als ginge er auf Stelzen. Das lag an den Schmerzen beim Auftreten. „Das ist normal“, sagte der 30-Jährige. Sportler-Alltag. Er war erst seit knapp einer Stunde im Ziel, außerdem hatte er ja schon seit Kilometer 30 Schmerzen. Erst seit Kilometer 30, muss man sagen, denn diese Marke ist ein Erfolg. Als er im Frühjahr in Hamburg 2:15:48 Stunden gelaufen war, hatten sie schon bei Kilometer 25 eingesetzt. Jetzt, in Berlin, lief er 2:13:30 Stunden, er fühlte sich besser als in Hamburg, er lief leichter. Er lief auf Platz neun, immerhin, aber der Platz ist für ihn eigentlich unerheblich bei so einem Marathon. Er hat trotzdem seine eigene Rolle gefunden: „Oh, da kommt ja der erste Weiße“, hörte er immer wieder am Streckenrand. Der erste Weiße im Feld der überragenden Äthiopier und Kenianer, das ist seine Rolle. Er steht für ein Symbol: Er ist ja nicht bloß weiß, er ist auch der beste Deutsche. Er steht für eine neue Hoffnung. Die deutschen Marathonläufer hatten seit längerem Statisten-Status, mit Cierpinski, dem Quereinsteiger aus dem Triathlon, könnte sich das ändern.

„Ich sehe mich schon ein bisschen als Zugpferd“, sagte der Sohn des zweimaligen Marathon-Olympiasiegers Waldemar Cierpinski. „Es kommen mehrere Leute, die sich auf den Marathon spezialisieren wollen.“ Leute mit Perspektive. „Wir müssen da zusammenarbeiten“, sagte Cierpinski. Er denkt da an gemeinsame Trainingslager, so wie er das vom Triathlon kennt. Dort ziehen sich die Nationalmannschaftsmitglieder gegenseitig mit. Cierpinski selber war ja auch mit den besten deutschen Mittel- und Langstrecklern in Spanien im Trainingslager. „Und das, obwohl ich nicht mal Mitglied eines Leichtathletik-Kaders war.“ Die Kosten jedoch musste er selber zahlen. Sein Status ändert sich derzeit allerdings erheblich. Gestern war er 2:13:30 Stunden gelaufen. Die Olympia-Norm hatte 2:13:00 betragen. Frank Bachner

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