Rad-Weltmeisterschaft in Katar : Im Zeichen der Hitze

Am Sonntag beginnt die Rad-WM in Katar. Wegen der hohen Temperaturen hat der Weltverband vorgesorgt - mit dem 28-seitigen Handbuch "Beat the Heat".

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Verdammt heiß hier! Tony Martin beim Training in Katar. Foto: Imago/Belga
Verdammt heiß hier! Tony Martin beim Training in Katar.Foto: Imago/Belga

Eine Rad-WM kann die Dimension einer Mondlandung annehmen. Für die am Sonntag beginnende Rad-WM in Katar gab der Radsportverband UCI ein 28-seitiges Handbuch unter dem Titel „Beat the Heat“ aus, das sich allein mit dem Risikofaktor Hitze beschäftigt. Die UCI warnt darin vor Hitzefolgen wie etwa höheren Herzfrequenzen. „In heißen und/oder feuchten Umgebungen ist die Fähigkeit des Körpers zum Abkühlen eingeschränkt. Um Wärme zu verlieren, pumpt der Kreislauf mehr Blut zur Haut, was eine höhere Leistung des Herzens erfordert“, heißt es. Höhere Herzfrequenzen bei weniger Leistung lautet die Konsequenz.

Um den Athletenkörper darauf einzustellen, empfiehlt die UCI eine frühere Anreise, am besten sieben bis zehn Tage vor dem ersten Wettkampf. Und sie schlägt Hitzesimulation wie Saunagänge und Wärmebäder nach dem Training, ja sogar Training in Hitzekammern selbst vor. Weil nicht jeder Radsportler mit einer Hitzekammer im eigenen Keller ausgerüstet ist, müssen die WM-Teilnehmer improvisieren. Der frühere Zeitfahrweltmeister Tony Martin etwa stellte zu Hause einen Heizlüfter vor das Trainingsgerät. „Man versucht eben, überall ein paar Prozent gegenüber der Konkurrenz herauszukitzeln“, sagt Martin.

Eine Studie der Aspetar-Klinik in Doha, die auch für die medizinische Betreuung während der WM verantwortlich ist, kam im Jahr 2015 zu dem Schluss, dass die Hitzeeingewöhnung zwei Wochen vor dem Start beginnen sollte. Erst nach zwei Wochen Training in Katar lieferte eine Gruppe von neun Zeitfahrern die gleiche Performance ab wie bei kühleren klimatischen Bedingungen.

"Gewöhnlich kühlt dich der Fahrtwind. Hier aber ist es immer heiß"

Manche Teams organisierten deshalb extra Trainingslager. Die australische Juniorenmannschaft etwa reiste nach Dubai. „Da war es preiswerter und es stand auch eine 100 Kilometer lange Trainingsstrecke zur Verfügung“, erzählt Mikayla Harvey. Bei den ersten Runden war die Nachwuchsfahrerin trotz aller mentalen Vorbereitung überrascht, wie heiß ihr der Wind ins Gesicht blies. „Es war verrückt. Gewöhnlich kühlt dich der Fahrtwind. Hier aber ist es immer heiß. Du musst andauernd trinken“, sagt sie. Alle 40 Minuten leerte sie eine Flasche – und musste damit klar kommen, dass das Wasser schnell eine lauwarme Brühe wurde. Vielleicht auch deshalb blieb sie mit ihrem Wasserverbrauch unter den Astronautenregeln der UCI. Im „Beat the Heat“-Handbuch werden 1,2 Liter pro Stunde vorgeschlagen, für normale Bedingungen lautet die Faustregel ein Liter pro Stunde.

Wegen des erhöhten Bedarfs stellt die UCI für die Rennen zwei extra Motorräder zur Verfügung, die insgesamt 10 000 der 0,75 Liter fassenden Flaschen verteilen sollen. Der besorgte Weltverband gibt sogar bunte Illustrationen aus, nach denen die Sportler am Urin den Flüssigkeitszustand ihres Körpers erkennen können. Ein Bild eines Urinfläschchens weist eine Skala von acht Farbschattierungen von braun zu blassgelb mit den entsprechenden Attributen auf.

Beim Kampf gegen die Hitze hat die UCI auch zu Eiswesten, eiskalten Drinks und Ventilatoren geraten. Dass ein paar Gastarbeiter von den umliegenden Baustellen abgezogen und mit Palmwedeln zum kühlenden Winken ausgestattet werden, steht so ausdrücklich nicht in dem Handbuch. Generell wird aber alles empfohlen, was irgendwie kühlen kann.

Sollte alle Kühlung nichts fruchten oder das Thermometer ohnehin über die 40-Grad-Marke schnellen, plant die UCI eine Verkürzung der Rennen. Beim Straßenrennen der Männer könnte daher der etwa 150 Kilometer lange Loop durch die Wüste gestrichen und nur noch auf dem 15,2 km langen Stadtkurs auf der künstlichen Insel The Pearl gefahren werden.

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