Sport : Radsport: Der "Sechstagekaiser" ist tot

Am 16. März 1951 feierte er im Sportpalast seinen letzten Sieg auf dem Rad. Mit Heinz Vopel gewann Gustav Kilian beim 34. Berliner Sechstagerennen mit Rundenvorsprung vor den Italienern Rignoni/Teruzi. Es war für Kilian der 34 Sixdays-Erfolg. Gestern, nur 14 Tage vor seinem 93. Geburtstag, ist der "Sechstagekaiser" in Dortmund gestorben. Erst vor einer Woche war er nach einem Krankenhausaufenthalt nach Hause zurückgekehrt. Im deutschen Sport wurde er in einem Atemzug mit Max Schmeling, Gottfried von Cramm, Gustav Jänicke, Sepp Herberger, Rudolf Harbig oder Rudolf Caracciola genannt.

Der am 3. November 1907 in Luxemburg geborene Kilian fuhr zwischen 1934 und 1951 insgesamt 125 Sixdays, die damals tatsächlich noch über volle 145 Stunden gefahren wurden. 34-mal gewann "Gus", wie ihn die Amerikaner riefen, gemeinsam mit Vopel, der 1950 einem Herzinfarkt erlag. Die beiden bildeten 18 Jahre lang ein Team, das als unschlagbar galt. Später, als er seine aktive Laufbahn beendet hatte, vertraute man ihm den Verfolgungsvierer an, der auf Anhieb in Mailand mit 4:34,2 Minuten den Weltrekord der DDR tilgte und damit ein jahrelanges innerdeutsches Duell einleitete. Doch dem ersten Triumph folgte rasch die Ernüchterung: Der DDR-Vierer setzte sich in der Qualifikation durch und fuhr nach Rom. Kilian legte die Arbeit nieder, kehrte aber 1964 als erster Bundestrainer zurück. Mit dem Olympiasieg begann in diesem Jahr eine einmalige Erfolgsserie. Bis 1977 gewannen seine Bahn-Amateure bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen 16-mal Gold, 13-mal Silber und siebenmal Bronze. Als Erfolgsschlager erwies sich der Vierer, der bei 17 Starts achtmal Gold holte. "Ein Trainer wird am Vierer gemessen", sagte Kilian. Voller Stolz verwies er auf die Erfolgsserie zwischen 1972 und 1976, als seine Männer fünfmal hintereinander gewannen und dabei in München und Montreal Olympiasieger wurden.

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