Sport : Rasanter Steilflug zum Böllenfalltor

Philipp Köster

Die schöne, neue Welt der Computer hat so manch erstaunliche Erfindung mit sich gebracht. Unter anderem kann man seit einiger Zeit auf dem eigenen Computer über die Weltkugel sausen und sich Satellitenaufnahmen von nahezu jedem Punkt auf der Erde anschauen. „Google Earth“ heißt das formidable Programm, das uns unter anderem einen senkrechten Blick auf all die wunderschönen Stadien der Welt erlaubt, das Maracana in Rio de Janeiro, das Aztekenstadion in Mexiko City, das Darmstädter Böllenfalltor, das ehemalige Wankdorfstadion zu Bern und die Alm in Bielefeld.

Und was es da nicht alles zu entdecken gibt. Im Berliner Olympiastadion spielen zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht etwa die Männer von Hertha BSC, sondern die Herren vom amerikanischen Football. Das Stadion in Venedig bietet traumhafte Aussichten auf die Lagunen. Und nach eifrigem Suchen fand ich sogar den Sportplatz meiner Jugend wieder, die Königsbrügge im Bielefelder Osten. Man sieht sogar das kleine Kabuff am Rand, in dem sich unser Platzwart damals immer mit Billigschnäpsen druckbetankt hat.

Besonders aufregend ist allerdings die Suche nach den großen Stadien von einst. Aus der Vogelperspektive ist die riesige Gegentribüne des Poststadions hinter dem Lehrter Bahnhof noch wunderbar zu erkennen, dort wachsen inzwischen längst Bäume und Sträucher. Das altehrwürdige Stadion Donnerschwee in Oldenburg mit seinen steilen Tribünen und seiner charakteristischen Mauer ist auch noch zu erahnen. Und wer sich nicht täglich das Naturstadion an der Hohen Warte in Wien anschaut, das einst stolzen 100 000 Zuschauern Platz bot, verdammt noch mal, der hat kein Herz.

Schön wäre nun, wenn demnächst die Stadien auch mit Zuschauern gefüllt angeboten werden. Wenn der Satellit dann über die Bielefelder Alm hinwegfliegt, winke ich gerne mal.

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