Sport : Rasen in Oasen

Für die Formel 1 hat das Scheichtum Bahrain viel vollklimatisierten Komfort mitten in die Wüste gezaubert

Karin Sturm

Manama. Beige in allen Schattierungen, Gelb mit leichten Einsprengseln von Elfenbein, Sand, Steine und in der Ferne im Dunst einige imposante Felsformationen – das ist die Umgebung des ersten Formel-1-Rennens in der Wüste. Es gibt nicht viel, woran sich das Auge festhalten könnte.

Doch wenn man den zahlreichen Schildern folgt und das große Eingangstor passiert, erhebt sich auf einmal eine neue Welt: eine kleine Stadt mit einer Oase in ihrem Zentrum, meterhohe Palmen, Blumenbeete zwischen Bauwerken, die in ihren Farbtönen und in ihrem Stil die westliche Moderne mit der Klassik des Orients verbinden. Zwar ist diese kleine Stadt der Wüstenumgebung angepasst, aber hinter dunkel verspiegelten Glasfenstern verbergen sich Komfort und Modernität: das Fahrerlager der neuen GrandPrix-Rennstrecke von Bahrain.

Das Werk des deutschen Architekten Hermann Tilke begeistert all jene, die darin arbeiten sollen. „So müsste es überall sein“, schwärmt Ove Andersson, der Ex-ToyotaTeamchef, der heute bei den Japanern aus Köln offiziell nur noch Berater-Funktion hat, aber immer noch überall dabei ist: „So angenehm, großräumig, komfortabel – da kommt doch keine europäische Strecke mit.“

150 Millionen Dollar hat die erste Oase der Formel 1 im Nahen Osten, dieser Vorposten des Westens in der arabischen Welt, gekostet. Architekt Tilke hatte freie Hand: Geld spielte für die verantwortlichen Scheichs aus der Königsfamilie keine große Rolle, Platz war in der Wüstenlandschaft 30 Autominuten außerhalb der Hauptstadt Manama grenzenlos vorhanden – der Traum eines jeden Baumeisters.

Und das spiegelt sich in Großzügigkeit wieder: „Wir haben vier große, vollklimatisierte Räume für das Team, alles perfekt ausgestattet, einfach toll“, sagt Ralf Schumacher, „ich fühle mich hier sehr wohl. Auf manchen älteren, europäischen Strecken ist es inzwischen ziemlich eng geworden, weil die Formel 1 eben so stark gewachsen ist und die Strecken durch die lokalen Gegebenheiten natürlich nicht mitwachsen können.“

Eines freilich ist auch klar, und auch das zeigt sich schon am Erscheinungsbild von Strecke und Zuschauertribünen: Der Große Preis von Bahrein ist nicht für durchschnittliche Formel-1-Rennfans gemacht, sondern viel eher ein Ereignis der feinen Gesellschaft. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, den VIPs und solchen, die sich dafür halten, optimale Bedingungen zu bieten. 50 000 Tribünenplätze sind für eine Anlage dieser Größe und Konzeption sehr wenig. Was außerdem auffällt: Die meisten Tribünen sind in der Nähe des Start-Zielbereichs angeordnet, viele entlang von Geraden – für echte Rennfans normalerweise nicht gerade die interessantesten Plätze. Aber sie sind eben zentral gelegen und bequem zu erreichen. An einigen der interessantesten Kurvenkombinationen im Mittelteil der Strecke gibt es dagegen überhaupt keine Zuschauerplätze – die werden nur im Fernsehen zu sehen sein. Und für die Fans an der Strecke höchstens auf den großen Videowänden. Formel 1 im Mittleren Osten, das ist eine Show für die Elite, für die Oberschicht, für jene, die sich im vollklimatisierten, achtstöckigen VIP-Turm am Ende des Fahrerlagers mit feinen Häppchen vor großen Bildschirmen verwöhnen lassen dürfen und dabei aus den oberen Stockwerken auch noch Rundumblick auf die Strecke genießen, mit vorbeihuschenden Autos im Miniaturformat.

So wie die Edelfans können die Piloten nicht vor der Wüstenhitze flüchten – aber entgegen früheren Befürchtungen sind die Temperaturen um diese Jahreszeit doch noch nicht ganz so extrem: nichts von den von manchen erwarteten 40 – 50 Grad, „nur“ 33 Grad erreichte das Thermometer etwa am Donnerstag , das ist sogar etwas weniger als zuletzt in Malaysia – und es ist eine trockene Hitze, deutlich angenehmer als die Schwüle vor zwei Wochen in Sepang. So dürften die Temperaturen nicht einmal die größte Herausforderung für Teams und Fahrer werden. Dafür kommt hier für die Techniker der Sand ins Spiel: feinster Wüstensand, den der ständig wehende Wind über die Strecke treibt und der nicht nur Kühler und Lufteinlässe der Motoren verstopfen kann, sondern bei Tempo 300 auch wie ein Sandstrahlgebläse wirkt. Worauf einige Teams schon beschlossen haben, aus dem Irak- und dem Golfkrieg erprobtes militärisches Klebeband einzusetzen, besonders widerstandsfähig und besonders teuer – mehr als 5000 Dollar die Rolle –, um damit besonders gefährdete Wagenteile wie etwa Aufhängungen zu schützen. Und für die Motoren wird es spezielle Filter geben.

Ansonsten halten sich die notwendigen Anpassungen der Formel 1 in Grenzen, zu perfekt entspricht die Oase in der Wüste dazu den üblichen Anforderungen des großen Rennwagengeschäfts. Mit einer Ausnahme: Der Champagner auf dem Siegerpodest wird alkoholfrei sein und auch sonst ein ganz spezielles Getränk. Es enthält Granatapfelsaft, den Saft einer hiesigen Frucht mit Namen Trinj, und Rosenwasser. Der Geschmack: Irgendetwas zwischen Leitungswasser mit Traubenzucker und Rosenöl oder Holunderbrause – je nach Interpretation der Testtrinker. Ralf Schumacher hat noch nicht davon probiert.

Aber es interessiert ihn nicht besonders. Schließlich versprühen es die Fahrer auf dem Podest ja hauptsächlich und trinken kaum davon. „Und wenn wir gewinnen sollten, dann bin ich sicher, dann können wirdas mit dem Champagner ja nachholen“, sagt Ralf Schumacher – „hinter verschlossenen Türen.“ In einem der vier tollen Teamräume im Fahrerlager, unter den hohen Palmen.

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