Sport : Rastlos auf dem Rad

Rik van Steenbergen war der erste echte Profi

Mathias Klappenbach

Befreundete Journalisten meldeten schon mal seine Teilnahme an einem Rennen, das es nicht gab, um eine außereheliche Affäre zu decken. Nachzuprüfen war das für seine Frau kaum, denn Rik van Steenbergen war so gut wie nie zu Hause. Er war der erste echte Profi des Radsports, und um sein Geld bar zu verdienen, bestritt er häufig zwei Rennen an einem Tag. Oder warf bei der Argentinien-Rundfahrt im Auftrag Juan Perons auf jeder Etappe Kränze für dessen verstorbene Gattin Evita ab. Der Journalist Walter Rottiers erzählt die Geschichte eines rastlosen Mannes, für den seine Familie in den Hungerzeiten der dreißiger Jahre auf ihr Essen verzichtete, damit er genug Kraft für seine Rennen hatte. Die Biografie zeichnet die Karriere eines der größten Radsportler des vergangenen Jahrhunderts kenntnisreich nach. Der dreimalige Weltmeister gewann nie eine große Rundfahrt, aber 1600 Rennen auf der Straße und der Bahn. Nachher stürzte er in ein zweifelhaftes Milieu und wurde zum Falschspieler und Kleinkriminellen. Aber van Steenbergen fand den Weg doch noch in das bürgerliche Leben, das er bis zu seinem Tod 2003 führte.

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