Sport : Raucherpause am Spielfeldrand

Philipp Köster

Zu den böswilligen Vorurteilen über Fußballfans gehört die Annahme, dass sie nur deshalb Fußballfans geworden sind, weil es zur eigenen großen Karriere nicht gereicht hat. Was natürlich jeder Grundlage entbehrt. Außer bei mir. Denn ich habe im Alter von zwölf Jahren tatsächlich gedacht, ich sei ein richtiges Talent, ein Rohdiamant, der nur noch geschliffen werden muss.

Ich hatte gerade mein erstes Spiel für die C-Jugend des Bielefelder Stadtteilklub TuS Eintracht absolviert und gegen den VfL Ummeln zwei Buden zum 2:1-Sieg gemacht. Wer würde sich da nicht für den legitimen Nachfolger von Gerd Müller halten?

Bei Licht besehen waren es allerdings zwei Glückstreffer, der erste Ball war mir über den Schlappen gerutscht und zur allgemeinen Verwunderung im Kreuzeck gelandet, beim zweiten Treffer war der Keeper schon losgesprungen, als ich noch gar nicht geschossen hatte, ich musste also nur noch geradeaus laufen.

Leider konnte ich in den nachfolgenden Spielen mein überragendes Debüt nicht bestätigen. Was einerseits daran lag, dass ich keine Sportbrille hatte und deshalb bei Kopfbällen immer beide Hände an den Bügeln hatte, um meine Brille zu schützen. Andererseits spielte ich auch in einer, nun ja, hilfsbedürftigen Mannschaft. Unser Torhüter hatte die Angewohnheit, bei scharf geschossenen Bällen angstvoll in die Luft zu springen. Unser Mittelstürmer legte des Öfteren eine Raucherpause am Spielfeldrand ein. Und mein Laufstil muss die Zuschauer an einen betrunkenen Storch erinnert haben, ich war mitten in der Wachstumsphase. Ich legte also irgendwann meine Profipläne auf Eis und wandte mich dem Zusehfußball zu. Es war die richtige Wahl, ganz sicher.

Obwohl, neulich kickte ich mit Freunden auf der Wiese. Es steht unentschieden, kurz vor Schluss. Ich erwische die Kugel glücklich mit dem Vollspann, Torwart machtlos, Netz beult sich, großer Jubel. Und ich denke: Vielleicht hätte ja doch was aus mir werden können.

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