Real gegen Bayern : "Das Scheusal kommt"

Real Madrid gegen Bayern München ist einer der großen Klassiker in Fußball-Europa. Aber morgen begegnen sich zwei Teams mit massiven Problemen. Real fehlt die halbe Abwehr und Bayern die Inspiration.

Madrid - Oliver Kahn ist so etwas wie der "Lieblingsfeind" der Anhänger von Real Madrid: "Das 'Scheusal' kehrt ins Bernabéu-Stadion zurück, und 80.000 Freunde erwarten es", schrieb das Sportblatt "Marca". Der Bayern-Torwart muss dafür herhalten, den spanischen Fußballrekordmeister für das Champions-League-Spiel an diesem Dienstag (20:45 Uhr/Premiere) gegen die Münchner zu motivieren. "Dies ist der Feind", schrieb die Madrider Zeitung in großen Lettern über ein Foto, das einen dreckverschmierten und grimmig dreinblickenden Kahn zeigt.

Anscheinend brauchen die Madrilenen diese Art der Motivation, denn um ihren Club ist es alles andere als gut bestellt. Die "Königlichen" spielen kaum Chancen heraus, sie schießen fast keine Tore, von der Spielkultur und dem Glanz vergangener Zeiten ist nichts geblieben. In elf Heimspielen der Primera División erzielten sie nur zwölf Treffer, die schlechteste Ausbeute in der 105-jährigen Vereinsgeschichte. Für das Bayern-Spiel kommen noch Probleme in der Abwehr hinzu. Mahamadou Diarra und Sergio Ramos fallen verletzt aus. Roberto Carlos muss nach einer längeren Verletzungspause vorzeitig sein Comeback geben.

Die Gegenwart ist wenig glanzvoll

Da die Gegenwart trist aussieht, erinnerte die Sportzeitung "As" an die "historischen Fußballschlachten" zwischen Real und Bayern. Unvergessen sind der Skandal 1976 um den Übergriff eines Fans ("Der Verrückte vom Bernabéu-Stadion") auf den Schiedsrichter, die acht Tore, die die Bayern 1999/2000 in der Zwischenrunde der Champions League gegen den damals 18 Jahre alten Real-Torwart Iker Casillas erzielten, oder die zwei Treffer, mit denen Nicolas Anelka die Madrilenen später gegen die Bayern doch noch ins Finale schoss.

Die Gegenwart sieht weniger glanzvoll aus. "Die Partie Real gegen Bayern könnte für die Zuschauer unerträglich werden", befürchtet der Kolumnist Roberto Palomar mit Blick auf die derzeitige Form beider Teams. "Real und Bayern sind die schlechtesten Mannschaften im Achtelfinale. Beide waren Zugpferde des europäischen Fußballs. Jetzt sind sie wie rostige Kaffeemaschinen, die nur noch wässrigen und abgestandenen Kaffee produzieren."

Capello: "So schlecht sind wir gar nicht"

Real-Trainer Fabio Capello will davon nichts wissen. "So schlecht sind wir gar nicht", meint der Italiener. "In der Champions League gelten andere Gesetze. Da stehen Erfolg und Misserfolg der ganzen Saison auf dem Spiel."

Die Madrider Zeitung "ABC" sieht in den kriselnden Bayern "die deutsche Version von Real": "Früher waren die Münchner, selbst wenn sie schlecht spielten, ein unangenehmer Gegner. Das ist heute nicht mehr der Fall. Wegen der Bayern müssen die Madrilenen sich nicht verrückt machen. Die Deutschen spielen ebenso schlecht wie sie, vielleicht sogar noch schlechter."

Die Fans sind gegen Capello

Während der FC Bayern seinen Trainerwechsel bereits hinter sich hat, scheint bei Real Capello ein Coach auf Abruf zu sein. Ein großer Teil der Fans und, wie es heißt, auch viele Vorstandsmitglieder sind für eine Entlassung des Trainers. Die Sportpresse berichtet, Real-Präsident Ramón Calderón wolle Capello nach Möglichkeit bis zum Saisonende im Amt halten, weil der Club dem Italiener sonst eine Entschädigung von 16 Millionen Euro zahlen müsste. Im Falle eines Debakels gegen die Bayern könnten die Ereignisse sich überstürzen.

In einem Punkt sind die Madrilenen allerdings trotz ihrer Krise besser dran als die Münchner: Real kann sich noch immer Hoffnung auf die spanische Meisterschaft machen. Der Club liegt als Vierter der Primera División nur vier Punkte hinter dem Spitzenreiter FC Barcelona zurück. (Von Hubert Kahl, dpa)

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