Sport : Rechtsstreit um WM-Tickets

Verbraucher klagen gegen Verkaufsbedingungen

Jens Poggenpohl

Berlin - „Die Welt zu Gast bei Freunden“ lautet das Motto der Fußball-WM 2006 – die Gastgeber aber sind zerstritten. Denn der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) lässt jetzt die Ticketvergabe gerichtlich prüfen. Er hat beim Landgericht Frankfurt am Main einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Verkaufspraxis des Organisationskomitees (OK) eingereicht. Die Klage richtet sich gegen die Verkaufsbedingungen der so genannten Optionstickets – Karten, die Sponsoren oder Verbände zurückgeben, die aber jetzt schon optional angeboten werden. Fans, die ein solches Ticket gekauft haben, erhalten einen Platz auf der Warteliste und damit eine Chance. „Wir haben aber den Eindruck, dass es dabei in erster Linie ums Abkassieren geht“, sagte Patrick von Braunmühl, Stellvertretender Vorstand des VZBV, in Berlin.

Maximal vier Karten für bis zu sieben Spiele dürfen geordert werden, immer zum Kartenpreis des teuersten Spiels. Nach Angaben des OK gingen bereits 61 000 Bestellungen für rund 140 000 mögliche Tickets ein. Fans, die leer ausgehen, erhalten das Geld erst vier Wochen nach WM zurück. Eine Rückgabe ist nicht möglich. Das Problem verschärft sich für Fans, die vor längerer Zeit Teamtickets für Mannschaften gekauft haben, die sich doch nicht qualifizierten. Diese Käufer warten noch auf die Rückerstattung – und zahlen erneut für die Optionstickets. Die Verbraucherschützer halten diesen „zinslosen Kredit“ für ebenso unzulässig wie die Gebührenpraxis: Wer leer ausgeht, muss trotzdem fünf Euro Servicegebühr zahlen, hinzu kommt eine Zustellgebühr von zehn Euro – auch wenn man die Karten im Stadion abholt. Für die Teamserien werden pro Karte bis zu 50 Euro Bearbeitungsgebühr fällig.

OK-Vize Horst R. Schmidt sieht der Klage „gelassen“ entgegen. Durch das Options-Programm seien zusätzliche Karten in den Verkauf gelangt. „Uns geht um die volle Besetzung der WM-Arenen“, sagte Schmidt. Die Vorauszahlung sei nötig, weil in der ersten Verkaufsphase eine „Vielzahl von Bestellern“ ihre Tickets später nicht bezahlt hätten. Tatsächlich waren fünf Prozent der Tickets so wieder in den Verkauf gelangt.

Ärger droht auch aus Brüssel. Der EU-Parlamentarier Alexander Graf Lambsdorff (FDP) hat die EU-Kommission aufgefordert, zu prüfen, ob die Fifa ihr Monopol unzulässig zur Profitmaximierung nutze. „Vieles erinnert an den Fall Microsoft“, sagte Lambsdorff. Die EU-Kommission hatte gegen den Softwaregiganten im März 2004 wegen Marktmissbrauchs ein Bußgeld von 497 Millionen Euro verhängt.

Mit einer Gerichtsentscheidung ist wohl im Januar 2006 zu rechnen, eine erste Stellungnahme der EU-Kommission ist laut Lambsdorff noch vor Weihnachten möglich. Das Klima zwischen den streitenden Parteien ist angespannt. „Es ist absurd, dass man sich gegenseitig nur noch droht“, sagte OK-Sprecher Jens Grittner. Erst Recht vor den Augen der Freunde.

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