Regelstreit : Ferrari erhöht Druck auf Fia-Chef Mosley

Regelreform oder Ausstieg: Die gestern veröffentlichte Starterliste hat den Machtkampf in der Königsklasse des Motorsports nicht beruhigt, sondern weiter angefacht.

So drohte Ferrari weiter mit einem Ausstieg aus der Formel 1. "Entweder wir lösen den Streit oder wir werden eine eigene Serie haben", sagte Scuderia-Präsident Luca di Montezemolo am Rande des 24-Stunden-Langstreckenrennens im französischen Le Mans. Damit reagierte der Rennstall auf den Affront des Automobil-Weltverbandes Fia, der die Italiener am Tag zuvor gegen ihren Willen vorbehaltlos als Starter für die kommende Saison benannt hatte.

Neben Ferrari setzte die Fia auch Red Bull der deutschen WM-Hoffnung Sebastian Vettel sowie das Schwesterteam Toro Rosso ohne Einschränkung auf die Starterliste. Der Automobilverband geht offenbar davon aus, dass die drei Teams aufgrund vertraglicher Verpflichtungen bei der WM starten müssen. Ferrari ist jedoch von einer entsprechenden Vereinbarung wohl befreit, sollte die Fia gegen das Einspruchsrecht der Scuderia in Regelfragen verstoßen. Das bestätigte zuletzt auch ein Pariser Gericht.

"Wir werden nicht an der nächsten Weltmeisterschaft teilnehmen, wenn die Regeln so bleiben und Ferraris Rechte nicht berücksichtigt werden", sagte di Montezomolo. Bewusst kokettierte er bei seinem Auftritt in Le Mans mit einem Wechsel zu dem Klassiker. In der Heimat wittern die Medien indes einen Putschversuch der von Ferrari angeführten Rebellen gegen FIA-Chef Max Mosley. "Die Konstrukteure fordern Mosleys Kopf", urteilte der Corriere dello Sport.

Ferrari, Red Bull und Toro Rosso sind mit den Teams von McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Renault, Toyota und BrawnGP in der Teamvereinigung Fota organisiert. Die acht Rennställe wehren sich gegen die von der Fia geplante Budgetobergrenze und fordern, auch im nächsten Jahr unter dem jetzt gültigen Reglement zu fahren. Dies solle für alle Teilnehmer gelten. Zudem möchten die Teams ein neues Concorde Agreement, das sie bis 2012 an die Formel 1 binden soll und unter anderem die Verteilung der Gelder regelt. Anderenfalls wollen die Mosley-Gegner 2010 nicht an den Start gehen.

Zwar wurden McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Renault, Toyota und BrawnGP auf der Fia-Startliste unter Vorbehalt eingetragen. Bis kommenden Freitag sollen sie aber ihre Bedingungen nach entsprechenden Verhandlungen aufgeben. Eine solche Kapitulation der Teams erscheint jedoch unwahrscheinlich.

Di Montezomolo hatte sich vor seiner Reise nach Le Mans, wo er als Ehrengast die 77. Auflage des Langstreckenrennens startete, noch einmal der Solidarität der Fota versichert. "Wir bilden eine starke Gruppe", erklärte der Fiat-Chef. Schon am Freitag hatte die Teamvereinigung per Brandbrief den Motorsport-Weltrat und den Fia-Senat um Hilfe in dem Regelstreit gebeten und damit Position gegen Mosley bezogen.

Der neu aufflammende Streit lässt die vorerst nicht berücksichtigten Neubewerber weiter hoffen, ebenso wie Campos aus Spanien, Manor aus England und USF1 aus den USA einen Startplatz fürs nächste Jahr zu ergattern. Allerdings ist möglicherweise die gesamte Startliste von Freitag nur Makulatur. Eine Aussage des Chefs von Kandidat Epsilon Euskadi, Joan Villadelprat, auf der Homepage des Magazins autosport belegt dies: "Ich habe ein Schreiben von der Fia bekommen, das besagt, dass alles provisorisch ist und es die endgültige Liste am 19. (Juni) geben wird." Hundertprozentig sicher könne sich keiner sein.

ZEIT ONLINE, rf, dpa

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