Sport : Rehhagels Paradise

Rehhagel plaudert nach dem Sieg drauflos und freut sich auf den Außenminister.

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Den ersten Sieg abgewickelt. Otto Rehhagel hatte beide Hände im Spiel. Foto: dapd
Den ersten Sieg abgewickelt. Otto Rehhagel hatte beide Hände im Spiel. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Sekunden nach dem Abpfiff strich sich Otto Rehhagel mit seiner linken Hand übers Haar. Fast wirkte der 73 Jahre alte Trainer ein wenig verlegen. Viele Hände sind ihm in diesen Momenten entgegengestreckt worden. Er ergriff sie alle, nickte und lächelte. Es waren ja auch ganz besondere Momente, gestern Nachmittag im Olympiastadion. Nach über vier Monaten hat Hertha BSC mal wieder ein Bundesligaspiel gewonnen. Und: Es war Rehhagels erster Sieg als Hertha-Trainer.

„Wir sind alle unwahrscheinlich erleichtert – für den Moment“, sagte Rehhagel eine halbe Stunde später. Wenn seine Mannschaft heute verloren hätte, hätte doch jeder gesagt: „Mensch, das geht nicht mehr.“ So aber sprudelte es aus Rehhagel heraus. Er rückte brav die Spieler, die den Sieg errungen hatten, in den Vordergrund. Sie seien es ja, die das Blatt wendeten. „Das soll ein Anfang sein.“

Das erste Spiel unter seiner Regie wurde vor einer Woche beim Mitabstiegskonkurrenten Augsburg verloren. Nach nur einer Woche stand zu befürchten, dass sich der Zauber, mit dem der frühere Zampano die nervöse Hertha wieder in die Spur führen sollte, längst verflüchtigt hätte. Na ja, mit Zauber hatte die gestrige Darbietung seiner Mannschaft auch nicht viel zu tun. Bremen spielte tranig, die Berliner kämpften und hatten dazu etwas Glück.

In Ermangelung einiger Spieler aus der Stammformation, die gesperrt waren (Ottl, Niemeyer), hatte Rehhagel neben den erfahrenen Lewan Kobiaschwili den jungen Fanol Perdedaj in die Spielzentrale gestellt. Eine mutige Entscheidung, die aber aufging. „Ich konnte anfangs seinen Namen nicht aussprechen“, erzählte Rehhagel im Plauderton. Nach dieser tollen, aufopferungsvollen, ja fast schon paradiesischen Leistung würde er ihn ab sofort nur noch mit „Paradise“ anreden. Über dieses Wortspielchen freute Rehhagel sich beinahe genau so wie über das 1:0.

Wie ein „Geisteskranker“ habe er von der Trainerbank aus sein Schlüsselspieler-Duo angefeuert. Es sei ein aufregender wie aufwühlender Nachmittag gewesen für ihn. Zwischendrin habe er zu sich gesagt: „Mensch, Otto, du bist nicht mehr der Jüngste, achte auf dein Herz“, sagte er in die Runde der Journalisten und fügte in belehrenden Ton hinzu: „Aber mein Herz ist gesund.“

Nur die Frage nach dem Grünen-Politiker Trittin, der sich vor dem Spiel etwas despektierlich über Herthas Management geäußert hatte, verdarb Rehhagel für den Moment die Laune. „Lassen Sie’s, ich sage Ihnen was: Morgen Abend hat der Außenminister mich und meine Beate zum Essen eingeladen, darauf freue ich mich“, sagte Rehhagel und lächelte seinen Worten hinterher.

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