Sport : Reiten: Rusty und die Vierspänner

Helen Ruwald

Gigolo muss sich um seine Verabschiedung nächste Woche in Stuttgart kümmern. Für eine Stippvisite beim Internationalen Reitturnier CHI, das von morgen bis Sonntag im Velodrom an der Landsberger Allee stattfindet, bleibt da keine Zeit. Es ist eben einiges zu tun, wenn man als großer alter Herr der Dressurszene in Rente geht. Der Wallach, Mannschafts-Olympiasieger von Sydney, wird also nicht mehr dabei sein. Seine Reiterin Isabell Werth bringt stattdessen Anthony mit - und zählt auch mit ihm zu den Favoriten.

Ein anderes Traumpaar hingegen zeigt sich dem Publikum bei Berlins wichtigstem Reitturnier, bei dem es sowohl im Springen als auch in der Dressur um Weltcuppunkte geht: Ulla Salzgeber und Rusty, die bei den Olympischen Spielen in Sydney ebenfalls zum deutschen Goldteam gehörten und im Einzel Bronze holten, sind am Start. Bei den Springreitern sind die Top 15 der Welt vertreten - also auch alle vier deutschen Mannschaftsolympiasieger. Ludger Beerbaum, Otto Becker, Marcus Ehning und Lars Nieberg holten vor fünf Wochen mit einem der knappsten Vorsprünge in der olympischen Reitgeschichte Gold vor der Schweiz.

Kommt er oder kommt er nicht? Kein Deutscher schaffte es in den letzten Tagen so häufig in die Schlagzeilen wie Rodrigo Pessoa, der Weltmeister und dreimalige Weltupgewinner aus Brasilien. Er kommt, er kommt nicht, er kommt - für Veranstalter Kasper Funke waren die Tage vor Beginn des CHI, bei dem es in den 14 Spring- und sechs Dressurprüfungen um 700 000 Mark Preisgeld geht, eine Achterbahnfahrt. Zunächst sagte Pessoa ab, weil Uneinigkeit über die finanziellen Konditionen herrschte, dann widerrief er die Absage, gestern nun hieß es, "er reitet", definitiv. Gleiches gilt auch für den holländischen Einzel-Olympiasieger Jeroen Dubbeldam, Publikumsliebling Hugo Simon aus Österreich, Franke Sloothak und die Brüder John und Michael Whitaker aus Großbritannien, die seit Jahrzehnten dabei sind.

Zum vierten Mal findet das CHI im Velodrom statt. Der Umzug von der West-Berliner Deutschlandhalle, der jahrzehntelangen Stätte des Welt-Turniersports, in das Ost-Berliner Velodrom war mit großer Unsicherheit verbunden. "Wenn die Halle voll ist, gute Stimmung herrscht und es großartige Sieger gibt, dann bin ich wunschlos glücklich", sagte Turnierleiter Pit Krautwig gestern. Die Organisation im Vorfeld hingegen sei schwieriger als früher: Allein den Sand in die unterirdische Halle zu bringen, erfordere besondere Anstrengungen. In den Messehallen neben der Deutschlandhalle war Platz für Material und Trucks, jetzt muss improvisiert werden. "Aber man kann nicht immer nur an Tradition denken", meinte Krautwig, "der Umzug war unsere einzige Chance". Der Vertrag mit der Betreibergesellschaft Velomax, die auch für das Velodrom verantwortlich ist, wurde gerade um vier Jahre verlängert.

In Berlin findet das vierte Weltupspringen der Saison für die Springreiter statt. Zu den Hauptprüfungen zählen außerdem das Audi-Championat und der Große Preis von Deutschland. Und Abends sorgen die Vierspänner für Furore.

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