Sport : Rekord und Reifenpanne

Europas Trainer reagieren unterschiedlich auf ihr Abschneiden in der Champions League

Martín E. Hiller

Berlin . Es gibt zwei Möglichkeiten, mit einer sportlich nicht zufrieden stellenden Situation umzugehen. Entweder man weigert sich, die Realität als solche anzuerkennen, oder man versucht, sie zu akzeptieren und umgehend das verlorene Selbstvertrauen wiederzuerlangen. Vicente Del Bosque, der Trainer von Real Madrid, schien nach dem peinlichen Unentschieden seiner Mannschaft im Heimspiel der Champions League gegen Lokomotive Moskau beide Strategien gleichzeitig zu befolgen. „Normalerweise gehen wir immer mit maximaler Punkteausbeute in den Februar. Jetzt müssen wir uns auf die neue Situation einstellen“, sagte Del Bosque. Madrid liegt mit nur einem Punkt auf dem letzten Platz in der Gruppe C und ist damit meilenweit von den eigenen Ansprüchen entfernt. Und doch ist Del Bosque vom Einzug ins Viertelfinale überzeugt: „Es sind noch sehr viele Punkte zu verteilen, und wir haben genügend Erfahrung, dass wir die Sache noch drehen können.“ Die spanische Presse ist da geteilter Meinung. „Reals Zukunft in der Champions League unsicher wie seit Jahren nicht mehr“, schrieb die katalanische Sportzeitung „Marca“, ihr Madrider Pendant „AS“ sprach dagegen lediglich von einer „Reifenpanne“.

Dem Trainer von Madrids Erzrivalen FC Barcelona, Louis van Gaal, sind indes Probleme wie fehlendes Selbstvertrauen oder ungewisse sportliche Perspektive in Europa fremd. Die Katalanen schafften mit dem 3:1 gegen den viermaligen Englischen Meister Newcastle United ihren zehnten Champions-League-Sieg in Folge, die Qualifikation eingeschlossen, und stellten damit den Rekord des AC Mailand aus der Saison 1992/93 ein. Allein, die Ansprüche van Gaals liegen höher. „Der Rekord ist unwichtig, nur der Einzug ins Finale ist wichtig“, erklärte der Holländer.

So dramatisch geht es in der Gruppe D nicht zu. Bei den Siegen von Juventus Turin gegen den FC Basel (4:0) und Manchester United gegen Deportivo La Coruña (2:0) fielen noch am ehesten die Namen einiger Torschützen auf – wie David Trezeguet, der nach langer Verletzung und sieben Monaten ohne Tor erstmals wieder für Turin traf, oder wie Ruud van Nistelrooy, der La Coruña mit seinen Champions-League-Treffern Nummer sieben und acht im Alleingang besiegte. Grund genug zum Resignieren für Basels Trainer Christian Gross. „Juve und ManU sind von einem anderen Planeten“, sagte Gross – und schaffte es damit wenigstens, die Realität zu akzeptieren.

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