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Relegationsspiel vor dem Sportgericht : Ein Schlag für Hertha

Der Prozess um ein Wiederholungsspiel wird auf Montag vertagt. Schiedsrichter Wolfgang Stark erhebt schwere Vorwürfe gegen Spieler. Die Bilder vom Relegationsspiel Hertha gegen Fortuna Düsseldorf entsetzten die Fußballwelt.

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Man sieht sich vor Gericht. Schiedsrichter Wolfgang Stark auf dem Weg zu seiner Aussage. Was er über das Verhalten der Berliner Spieler erzählte, dürfte weder Herthas Manager Michael Preetz (links) noch Präsident Werner Gegenbauer gefallen haben.
Man sieht sich vor Gericht. Schiedsrichter Wolfgang Stark auf dem Weg zu seiner Aussage. Was er über das Verhalten der Berliner...Foto: dpa

Das Ringen von Hertha BSC um den Klassenerhalt hat längst schon epische Dimensionen erreicht. Und wird weiter fortgesetzt: Nach sieben Stunden zäher Verhandlung in Frankfurt am Main kündigte das DFB-Sportgericht an, erst am Montag um 15 Uhr eine Entscheidung über den Einspruch der Berliner zu fällen. Und auch dann steht noch nicht mit letzter Sicherheit fest, ob Hertha abgestiegen ist oder noch einmal ein Wiederholungsspiel gegen Fortuna Düsseldorf bestreiten darf. Beide Klubs können nach einem Urteil in erster Instanz noch weiter vor das DFB-Bundesgericht ziehen. „Wir müssen uns beraten, das kann man nicht in einer halben Stunde“, sagte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz am Freitagabend, nachdem zahlreiche Zeugen und die Plädoyers angehört wurden.

Das entscheidende Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Hertha BSC musste am Dienstagabend in der Nachspielzeit für 21 Minuten unterbrochen werden, da Tausende von Fortuna-Fans in Vorfreude auf die Aufstiegsfeierlichkeiten den Innenraum gestürmt hatten. Schiedsrichter Wolfgang Stark setzte in Absprache mit der Einsatzleitung der Polizei das Spiel daraufhin fort. „Es war unverantwortlich, die Spieler zurück in diese Situation zu schicken“, kritisierte Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt in seinem Plädoyer. Fortuna-Rechtsbeistand Horst Kletke wollte nichts von Beeinträchtigungen für die Berliner auf dem Spielfeld wissen. Anton Nachreiner plädierte als Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses dafür, den Hertha-Einspruch zurückzuweisen.

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Die chaotischen Szenen von Düsseldorf
Randale, bengalisches Feuer, Tanz auf dem Rasen: Die Düsseldorfer Fans finden es lustig. Schiedsrichter und Polizei nahmen die Tumulte, die das gesamte Spiel begleiteten, ernster.Weitere Bilder anzeigen
1 von 34Foto: AFP
16.05.2012 14:04Randale, bengalisches Feuer, Tanz auf dem Rasen: Die Düsseldorfer Fans finden es lustig. Schiedsrichter und Polizei nahmen die...

Den schwersten Vorwurf erhob am Freitag Wolfgang Stark. Der Schiedsrichter war der erste Zeuge bei der Verhandlung in Frankfurt am Main. Er belastete in seiner Aussage vor dem DFB-Sportgericht vor allem einige Hertha-Profis. „Der Spieler Kobiaschwili hat mit ausgestrecktem Arm, mit der Faust in meine Richtung geschlagen. Ich duckte mich kurz ab und wurde am Hinterkopf getroffen“, sagte Stark aus. Die Mannschaftsärzte beider Teams hätten bei ihm ein Hämatom am Hinterkopf diagnostiziert – und damit habe er noch Glück gehabt.

Die Verhandlungen vor dem Sportgericht ziehen sich hin.
Die Verhandlungen vor dem Sportgericht ziehen sich hin.Foto: dapd

Denn Stark stand nach eigenen Angaben bei dem Schlag ganz oben auf der Treppe zu den Katakomben des Düsseldorfer Stadions. Er stürzte nur deswegen nicht fünf bis sechs Meter in die Tiefe, weil er sich am Geländer festhalten konnte. „Man kann sich ja ausrechnen, was sonst passiert wäre“, sagte der Referee, der auch als deutscher Schiedsrichter für die bevorstehende EM nominiert ist.
Vier bis fünf Berliner Profis hätten dann versucht, die Schiedsrichter-Kabine von Wolfgang Stark zu stürmen. So habe ihn Christian Lell am Arm gepackt. Beleidigungen wie „Feige Sau“ und „Feiges Schwein“ seien gefallen. Andre Mijatovic habe ihn als „Wichser“ bezeichnet. Stark sprach von einer „Hetzjagd“. Bestätigt wurden diese Aussagen von seinem Assistenten Mike Pickel und dem vierten Offiziellen, Markus Wingenbach, die ebenfalls angehört wurden.

Auch wies Stark die Behauptung der Berliner Verantwortlichen zurück, die Spieler hätten nach dem Platzsturm Todesangst gehabt. „Wenn man unmittelbar nach dem Schlusspfiff so massiv und gezielt auf das Schiedsrichter-Team losgehen kann, stellt sich die Frage nicht, ob die Spieler Todesängste ausgestanden haben“, sagte Stark. „So bin ich noch nicht behandelt worden. Ich hatte Angst nach dem Spiel, und ich war den Tränen nahe.“
Noch im Innenraum des Düsseldorfer Stadions hatte Stark nach den Vorfällen Anzeige wegen Körperverletzung gegen einen Berliner Spieler gestellt. „Ja, es stimmt“, sagte ein Düsseldorfer Polizeisprecher. Um welchen Spieler es sich genau handelt, sagte er nicht, es soll sich dem Vernehmen nach aber um Lewan Kobiaschwili handeln.

Schiedsrichter Wolfgang Stark erhebt vor dem Sportgericht schwere Vorwürfe gegen Hertha-Profis.
Schiedsrichter Wolfgang Stark erhebt vor dem Sportgericht schwere Vorwürfe gegen Hertha-Profis.Foto: dpa

Gegen Kobiaschwili, Lell, Kraft und Mijatovic hat der DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen eingeleitet, ebenso gegen Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz. Er soll nach Abpfiff ein bengalisches Feuer in der Hand gehalten haben. Dieses Verfahren soll nächste Woche stattfinden, wie Richter Lorenz erklärte. Dabei müssen auch Fortuna und Hertha wegen Zuschauerausschreitungen mit hohen Strafen rechnen.

Eine Berliner Delegation mit den Spielern Mijatovic, Kraft, Peter Niemeyer und Christoph Janker sowie Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz war zur Verhandlung nach Frankfurt am Main gefahren. Die Profis sagten ebenso aus wie der mitgereiste Assistenztrainer Ante Covic. Mijatovic und Kraft nahmen dabei von ihrem Recht Gebrauch, sich nicht zu den Vorwürfen zu ihrer Person äußern zu müssen.
Derweil bereitete sich der Rest der Mannschaft in Berlin auf ein mögliches Wiederholungsspiel gegen Düsseldorf vor. Während der knapp 45 Minuten langen Einheit, mit Ballhochhalten und Gymnastik, hatte sich Trainer Otto Rehhagel mit seinen Spielern auf einen Nebenplatz zurückgezogen, die Hertha-Profis wurden sicherheitshalber von Ordnern zur Kabine geleitet. (mit dpa, dapd)

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