Sport : Remis im Revier

Felix Meininghaus

Was ist von diesem 1:1 zu halten? Soll man sich freuen über die tadellose Leistung oder ärgern über die verschenkten Punkte? Ein Blick ins Gesicht von Tomas Rosicky beantwortete alle Fragen. Als Dortmunds Spielmacher nach dem Abpfiff des Spiels gegen den FC Schalke 04 mit hängendem Kopf vom Platz schlich, machte er ein Gesicht, als würde er gleich in Tränen ausbrechen. So groß war die Enttäuschung, den Rivalen mal wieder nicht geschlagen zu haben. Rund um das Westfalenstadion sind sie mittlerweile der festen Überzeugung, dass ein Fluch auf dem Revierderby liegt. Zum neunten Mal in Folge gelang es den Dortmundern nicht, im Nachbarschaftsduell gegen den ungeliebten Rivalen als Sieger vom Feld zu gehen.

Zum Thema Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Dabei war der Tabellenführer vor 68 600 Zuschauern im seinem Fußballtempel so nah dran. Was auch daran lag, dass die linke Schalker Seite dicht gemacht wurde, über die beim denkwürdigen 0:4 im vergangenen Jahr das Unglück über den BVB hereingebrochen war. Aparecido Evanilson, Stefan Reuter und aushilfsweise auch Lars Ricken halfen tatkräftig mit, den Wirkungskreis von Nationalspieler Jörg Böhme einzuschränken. Ein Unterfangen, das über 90 Minuten relativ erfolgreich gelang. Dennoch gerieten die Dortmunder in Rückstand. Nachdem Lehmann außerhalb des Strafraums gegen Marc Wilmots in höchster Not geklärt hatte, versenkte Niels Oude Kamphuis den Abpraller aus über 30 Metern. Einen solch bemerkenswerten Heber hatte man in Dortmund nicht mehr registriert, seit der legendäre "Stan" Libuda den BVB 1966 in Glasgow gegen den FC Liverpool zum Gewinn des Europapokals der Pokalsieger geschossen hatte. "Ein Glücksschuss", ärgerte sich Lehmann, "und dann ist der auch noch drin."

Die Führung bekam den Schalkern nicht. Der BVB verlagerte das Spielgeschehen fast vollständig in die gegnerische Hälfte, ohne bis zur Pause aus dem belagerungsähnlichen Zustand Kapital schlagen zu können. Dortmunds Trainer Matthias Sammer sah eine "sehr engagierte Mannschaft", kritisierte jedoch das "zu unruhige und zu hektische Verhalten vor dem Tor". Tatsächlich waren mehr als genug Chancen vorhanden. Dortmund agierte mit mehr Engagement und größerem Willen.

Warum der Herausforderer in Blau und Weiß, der mit der Empfehlung von fünf Siegen in Folge nach der Winterpause zum westfälischen Gipfel gereist war, dermaßen gehemmt auftrat, blieb rätselhaft. "Wir haben überhaupt nicht richtig Fußball gespielt", bemängelte der Holländer Marco von Hoogdalem, "der Druck war so groß, dass wir nie hinten raus gekommen sind." Was für Schalkes Kapitän Tomasz Waldoch jedoch auch an der Stärke des Gegners lag: "Wenn die Dortmunder so spielen, tut sich jede Mannschaft gegen sie schwer." Zu mehr als dem Ausgleichstreffer durch den achten Saisontreffer des Brasilianer Enrique Ewerthon reichte es trotz hochkarätiger Möglichkeiten durch Jan Koller und den eingewechselten Marcio Amoroso nicht.

Mittlerweile beschäftigen sie sich in Dortmund intensiv mit der Frage, warum es der Mannschaft offensichtlich nicht gelingt, die so genannten Big Points zu machen. "Wir waren wie schon in München auch heute wieder die klar bessere Mannschaft", bilanzierte Manndecker Christian Wörns. "Irgendwann werden wir mal belohnt." Dortmunds Manager Michael Meier glaubt an ausgleichende Gerechtigkeit: "Von der Einstellung her ist die Mannschaft in der Lage, den Titel in Augenschein zu nehmen." Die Spitze haben sie auch auf Schalke nicht aus dem Blickfeld verloren. "Wenn Dortmund nächste Woche in Leverkusen spielt, können wir näher nach oben ranrücken", sagt Torjäger Ebbe Sand. "Egal wer gewinnt."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben