Sport : Rennen der Enttäuschten

Die Spanien-Rundfahrt kämpft um ihre Bedeutung

Mathias Klappenbach

Berlin - Einige der Favoriten haben in diesem Jahr noch nicht viel gewonnen. Alexander Winokurow, Carlos Sastre und Roberto Heras wollen bei der heute beginnenden Spanien-Rundfahrt eine enttäuschend verlaufene Saison noch in eine halbwegs gute verwandeln. Nur halbwegs, weil selbst ein Sieg bei dem nach der Tour de France und dem Giro d’Italia drittgrößten Radrennen der Welt außerhalb der Fachwelt nur wenig Renommee bringt. Doch die Organisatoren der „Vuelta a España“ geben sich alle Mühe, die seit Jahren nachlassende Bedeutung der dreiwöchigen, sportlich sehr anspruchsvollen Rundfahrt wieder zu steigern.

Im vergangenen Jahr machten noch einige Fahrer Schlagzeilen, als sie nackt für ein Magazin posierten, um auf die Finanzkrise im spanischen Radsport aufmerksam zu machen. Diesmal spielt schon vor dem Start das Thema Doping eine große Rolle. Gestern wurden der Italiener Francesco Casagrande (Team Lampre) und der Spanier Carlos Golbano (Costa Almeria) von der Vuelta ausgeschlossen, weil sie bei einer Blutkontrolle überhöhte Hämatokritwerte aufwiesen. Eine ungewöhnlich hohe Anzahl roter Blutkörperchen ist zwar noch kein Beweis für Blutdoping, dennoch wurden die Fahrer vorsorglich suspendiert. Dopingskandale kannte man bisher vor allem vom Giro d’Italia und der Tour de France, der Kampf gegen Doping fand in Spanien bislang so gut wie nicht statt. Doch kurz vor den Olympischen Spielen musste auch der Radsport-Weltverband UCI den Anti-Doping-Code der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada unterschreiben, um in Athen überhaupt mitfahren zu dürfen.

Bei der Vuelta soll nun so streng wie nie zuvor kontrolliert werden, der Weltverband und die Wada wollen unangemeldete Kontrollen durchführen, angeblich existiert sogar eine Liste mit verdächtigen Fahrern. Die zu erwartenden Schlagzeilen werden also nicht gerade positiv sein. Doch die Organisatoren wollen beweisen, dass sie mit Giro und Tour auf einer Stufe stehen.

Im kommenden Jahr wird die über 3000 Kilometer lange Rundfahrt automatisch aufgewertet, weil nach der Einführung der „Pro Tour“, die den bisherigen Weltcup ablöst, die Spitzenteams bei allen wichtigen Rennen an den Start gehen müssen. So soll auch die Monopol-Stellung der Tour de France, über die andere Rennveranstaltungen schon lange klagen, ein Stück weit gebrochen werden. „Ich habe keine Zweifel an der Wertigkeit der Vuelta. Der Stellenwert der Tour ist aber unantastbar. In den Bereichen Infrastruktur und Vermarktung hat sie einen riesengroßen Vorsprung“, sagt Hans-Michael Holczer, der Teamchef des deutschen Rennstalls Gerolsteiner. Seine Mannschaft startet auch in diesem Jahr nicht in Spanien. „Wir haben einen nationalen Sponsor, deswegen fahren wir derzeit bei der Hessen-Rundfahrt“, sagt Holczer. „Außerdem haben wir nicht das Potenzial, bei der Vuelta Großes zu reißen.“

Im nächsten Jahr wird Gerolsteiner in Spanien starten müssen, auch deshalb wurde gestern die Verpflichtung des Amerikaners Levy Leipheimer vom Team Rabobank bekannt gegeben. In dem Österreicher Georg Totschnig hat Gerolsteiner bisher nur einen Fahrer, der bei großen Rundfahrten auf den vorderen Plätzen landen kann. „T-Mobile hat bei der Tour mit Ullrich und Klöden gezeigt, dass eine Doppelspitze kein Problem ist“, sagt Holczer. „Lance Armstrong hat eine Sonderstellung, ansonsten ist die Vorstellung von einem einzigen Kapitän für alle Rundfahrten sowieso überholt.“

In diesem Jahr ist die stark besetzte Vuelta eine Ersatzveranstaltung für Fahrer, die in Frankreich enttäuschten oder nicht fahren durften oder konnten. Neben Zeitfahr-Olympiasieger Tyler Hamilton (USA) konnten auch die Spanier Sastre und vor allem der zweimalige Vuelta-Sieger Heras die Erwartungen nicht erfüllen. Jörg Jaksche (Team CSC), der im Frühjahr den Klassiker Paris-Nizza gewann, hatte sich kurz vor der Tour den Ellenbogen gebrochen, der 23-jährige Patrick Sinkewitz (Quick-Step) sollte nach seinem Sieg bei der Deutschland-Tour den Strapazen der Tour noch nicht ausgesetzt werden, genauso wie der erst 22-jährige Sieger des Giro d’Italia, Damiano Cunego (Italien/Saeco).

Das deutsche T-Mobile Team geht mit Winokurow und Erik Zabel an der Spitze in die Rundfahrt, bei der vier Zeitfahren und elf Bergetappen auf dem Programm stehen. „Wir starten mit einer Mannschaft, wie sie stärker kaum sein könnte“, sagt Teamsprecher Olaf Ludwig. Zabel gewann in den vergangenen beiden Jahren das Trikot des besten Sprinters. Winokurow, der bei der Tour verletzt fehlte, soll um den Gesamtsieg kämpfen. Damit seine Saison doch noch halbwegs gut wird.

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