• Rennen in den Ardennen waren schon oft ein Wendepunkt - Die deutschen Fahrer und die "Berg- und Talbahn" von Belgien

Sport : Rennen in den Ardennen waren schon oft ein Wendepunkt - Die deutschen Fahrer und die "Berg- und Talbahn" von Belgien

Karin Sturm

Der belgische Grand Prix in Spa vor einem Jahr war nicht nur das Rennen, in dem Michael Schumacher durch seine Kollision mit David Coulthard womöglich den WM-Titel 1998 verlor - er war auch der Beginn von großen Serien, ein Wendepunkt: für Jordan, das heutige Team von Heinz-Harald Frentzen - und für Ralf Schumacher.

Die Erfolgsserie von Jordan, in diesem Jahr in erster Linie auch eine Erfolgsserie von Heinz-Harald Frentzen, begann damals bei strömenden Regen mit einem Doppelsieg von Damon Hill vor Ralf Schumacher. Und Letzterer, zuvor immer wieder für Fehler kritisiert, hat sich seitdem kaum mehr einen größeren geleistet. Aus dem zwar schnellen, aber nicht besonders konstanten "Schumi II" seiner Anfänge in der Formel 1 wurde ein zuverlässiger Fahrer, der in diesem Jahr für Williams 22 WM-Punkte holte, in elf Rennen nur dreimal ausfiel, davon einmal unverschuldet durch technischen Defekt.

Daß sich mit dem Erfolg und der allgemeinen Anerkennung auch für ihn persönlich einiges verändert hat, verschweigt Ralf Schumacher nicht: "Am Anfang war es in der Formel 1 schwierig - bis man mich respektiert hat." So gab es nach der Freude über den Einstieg 1997 durchaus einen Durchhänger, auch psychisch: "In dieser Phase, in der es weniger gut lief, hat es auch weniger Spaß gemacht." Jetzt, mit dem Erfolg, ist auch die Freude wieder da - und Ralf auch in seinem Auftreten lockerer und souveräner geworden, ohne dabei altklug-arrogant zu wirken, wie zu Beginn seiner Karriere. Grund zum Selbstbewußtsein hat er ja. Besser als seine sehen nur noch die Bilanzen von WM-Leader Eddie Irvine und eben von Heinz Harald Frentzen aus: Irvine bringt es bei nur einem Ausfall auf 56 Punkte, Frentzen bei drei Nullern, zweimal durch eindeutige Defekte, einmal, in Imola, auf dem Öl von Irvine ausgerutscht, auf immerhin 36.

Frentzen freut sich besonders auf Spa - und nicht nur, weil dort die Erfolgsserie seines Teams begann: "Belgien ist für mich auch eine Art Heimrennen. Schließlich liegt Spa näher an meiner Heimatstadt Mönchengladbach als zum Beispiel der Nürburgring." Außerdem liebt er die Herausforderung, die die anspruchsvolle Berg- und Talbahn in den Ardennen bietet: "Spa ist eine meiner Lieblingsstrecken. Sie ist aufregend, bietet mehrere Vollgaspassagen, die eine große Herausforderung darstellen." Am imponierendsten ist für ihn "Eau Rouge", für viele Fahrer die beste Kurve der ganzen Formel 1: "Im Training werden wir versuchen, da voll zu fahren. Das sind 250 Stundenkilometer. Die Kräfte, die dabei in der Senke auf den Körper wirken, sind eindrucksvoll. Im Fernsehen kommt gar nicht richtig raus, wie steil es da ist. Wenn man auf die Kurve zufährt, denkt man, eine Mauer kommt auf einen zu."

Während Frentzen sich wieder einen Podestplatz erhofft - "auf schnellen Strecken ist unser Auto besonders gut" - muß Ralf Schumacher wohl kleinere Brötchen backen. Die Fortschritte am Williams kommen nicht so voran, wie er es sich wünscht. "Aber man muß auch die Umstände sehen. Williams hat im Moment eine schwere Aufgabe. Wir sind dabei, ein Auto für nächstes Jahr zu bauen, dazu wird ein Chassis für die Testfahrten mit BMW umgebaut - und die Weiterentwicklung des diesjährigen Autos muß parallel vorangehen." Sein altes Team, Jordan, jetzt so weit vor seinem neuen, Williams - Frust? "Ein Problem ist der Motor. Unserer ist eben schwächer. Aber ich gehe davon aus, daß sich die Motorensituation ab 2000 deutlich verbessern wird. Meine Entscheidung für den Wechsel zu Williams wird sich langfristig als richtig erweisen."

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