Sport : Rettung in Rom

Warum Millionär Claudio Lotito bei Lazio einstieg

Vincenzo Delle Donne[Rom]

Für Claudio Lotito war es eine gute Investition. 21 Millionen Euro hatte er für die 32 Prozent der Aktien von Lazio Rom ausgegeben. „Es ist der schönste Tag meines bisherigen Unternehmerlebens“, sagte er. Und Lotito will noch mehr Geld in den Fußballklub hineinstecken: Weitere 30 Millionen Euro möchte der Lazio-Anhänger demnächst aufbringen, um sich die 51-prozentige Mehrheit der Aktien zu sichern.

Für die Lazio-Fans grenzte das Engagement des neuen Investors an ein Wunder. Sie riefen spontan eine Feier unter der Nordkurve des römischen Olympia-Stadions aus. Denn Lotito konnte nicht nur den drohenden Lizenzentzug für die kommende Erstliga-Saison abwenden, sondern auch den Konkurs des Traditionsklubs. Doch nicht überall stieß Lotitos Rettungsaktion auf Wohlwollen: Bis zuletzt hatte die römische Bank „Capitalia“ versucht, Lotitos Übernahmeangebot abzuwenden. „Capitalia“ garantierte bislang das Überleben des bankrotten Klubs.

Lazio war in den letzten Jahren der Spiegel des italienischen Fußballs – nach außen glamourös, nach innen marode. 1993 übernahm der Unternehmer Sergio Cragnotti den Klub, von da an ging es aufwärts. 1998 ging Lazio als erster italienischer Profiklub an die Börse. 1999 gewann Lazio den Europapokal der Pokalsieger und ein Jahr später die nationale Meisterschaft. Doch dann scheiterte Cragnotti als Unternehmer mit ihm stürzte auch der Club ab – 2002 ging das Kapital von Lazio in die Insolvenzmasse ein. Die Konkursverwalter stellten fest, dass die Vereinskasse zu großen Teilen geplündert worden war. Einnahmen des Klubs waren teilweise abgezweigt worden, um Löcher in anderen Unternehmen des Konzerns zu stopfen. Auch mit der Zahlung von Steuern und Rentenbeiträgen für die Spieler war der Klub im Rückstand. Lotito kaufte sich in den finanziell maroden Klub ein und prophezeite: „Eine Sanierung kann frühestens in drei Jahren abgeschlossen sein.“ Allein die Steuerschuld von Lazio beträgt 181,6 Millionen Euro. Lotito hat angekündigt, die Schulden in Raten abzuzahlen. Die erste Rate von 30 Millionen Euro ist nun fällig.

Sportlich spielte der Klub bis zuletzt i der Spitze mit. Der Trainer, Roberto Mancini, hielt die Mannschaft zusammen. 2003 qualifizierte sich Lazio für die Champions League und gewann den italienischen Pokal. Um den Spielbetrieb zu garantieren, verzichteten die Spieler sogar auf die ausstehenden Gehälter. Doch dann wurde Mancini von Inter Mailand abgeworben und der Lazio-Kader schrumpfte auf 14 Spieler.

Nun soll Dino Zoff die Mannschaft übernehmen. Unter Cragnotti war Zoff schon einmal Trainer und dann Präsident von Lazio. Zoff wollte sich nicht zu seiner angeblichen Verpflichtung äußern. „Ich weiß von nichts“, sagte er.

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