Rhetorik der Bayern-Bosse : Wie sich die Worte gleichen

Was die Rhetorik der Bayern-Bosse über ihre Strategie verrät.

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Die richtigen Worte zu finden, wenn es zu Ende geht – nicht nur in der Politik ist das eine hohe Kunst. Woran Karl-Theodor zu Guttenberg gerade larmoyant gescheitert ist, daran versuchen sich nun andere Bayern. Zwar schwiegen die Entscheidungsträger am Sonntag, der zumindest hinter den Kulissen ein Tag der Entscheidungen war. Doch die Bosse des FC Bayern München, die derzeit so etwas wie die Selbstverteidigungsminister des deutschen Sports abgeben, hatten ihre Kampfrhetorik ja schon am Samstagabend öffentlich ausgepackt. Und die ließ aufhorchen.

„Wir müssen handeln und nicht reden“, polterte da Präsident Uli Hoeneß wie zu seinen besten Manager-Zeiten. Was er damit in Bezug auf den ihm schon lange nicht mehr genehmen Trainer Louis van Gaal meinte, dürfte trotz eines fehlenden Adressaten jedem klar gewesen sein. Mag sich auch Hoeneß’ Position im Verein verändert haben, seine Überzeugung ist die gleiche geblieben: „Bei aller Liebe, das beste Konzept nutzt dir nichts, wenn die Ergebnisse nicht kommen.“ So hat der damalige Manager die Arbeit des scheidenden Bayern-Trainers Jürgen Klinsmann zu Grabe getragen.

Die Abläufe von einst könnten sich nun ebenso wiederholen wie die Rhetorik der Bosse. Im April 2009 unterlag Münchens Mannschaft samstags 0:1 gegen Schalke. Am Sonntag drauf beriet die Bayern-Führung, am Montag präsentierte sie gleichzeitig mit Klinsmanns Rauswurf dann Jupp Heynckes als Interims-Nachfolger. Der Trainer führte die Bayern in den letzten fünf Spielen noch in die Champions League – und hält nun mit Bayer Leverkusen die Bayern auf Abstand.

Wie sich die Worte gleichen. Auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge war nach der Pleite von Hannover am Samstagabend um Schuldzuweisungen nicht verlegen. Die dritte Niederlage in Folge ordnete er als „absoluten Tiefpunkt“ ein, er sei angesichts der verspielten Meisterschaft, des verpassten Pokalsiegs und des drohenden Verlusts der Champions League in „großer Sorge“. Von diesen Weltuntergangsäußerungen ist es nicht mehr weit bis zur Mitteilung: „Die Sorge um die Qualifikation für die Champions League in der kommenden Saison hat uns zu unserer Entscheidung veranlasst.“ Diese Worte hatte Rummenigge im Januar 2007 gewählt, als die Bayern Felix Magath entließen. Robert Ide

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