Robert Enkes Selbstmord : Nachruf auf die Trauer

Lorenz Maroldt über Hannovers Umgang mit dem Tod

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Lorenz Maroldt
Lorenz Maroldt, Chefredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Zum Beginn der Rückrunde wurde in Hannover das Riesentrikot des verstorbenen Torwarts Robert Enke abgehängt. Manager Jörg Schmadtke sagte dazu, man habe gedacht, das Transparent würde der Mannschaft helfen, „aber das war nicht der Fall“. Beim Spiel gegen Hertha war stattdessen auf einem Banner zu lesen: „Tod und Hass dem BTSV“; gemeint ist damit Eintracht Braunschweig. Auch das hat nicht geholfen. Vor ein paar Wochen war das Stadion von Hannover ein Ort der guten Worte: „Ein Stück mehr Menschlichkeit, ein Stück mehr Zivilcourage, ein Stück mehr Bekenntnis zur Würde des Menschen, des Nächsten, des anderen. Das wird Robert Enke gerecht“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger bei der Trauerfeier. Vereine und Fans forderte er auf, sich zu zeigen, wenn Unrecht geschieht – für Fairplay und Respekt. Am Sonnabend konnten der Verein und die Fans von Hannover mit dem Tod offenbar ganz gut leben: Sie ließen ihn hängen. Ein ziemlich drastisches Ende der Trauerzeit.

Menschenverachtende Sprüche und Transparente sind fast überall verboten, so auch in Hannover, Artikel 4 der Stadionordnung. Oft werden sie überhört, übersehen, geduldet. „Tod und Hass dem BTSV“ gehört seit langem zur Folklore in einigen Hannoveraner Fangruppen. Es ist nicht schwierig, sie zu finden; „Eintracht verrecke“ gehört auch zum Repertoire. Ähnliches gibt es auch anderswo und überall. Besonders bemerkenswert ist das auch nicht wegen der wenigen, die sich so äußern, sondern wegen der vielen, die es dulden – gerade in Hannover, nach all den hehren Worten und großen Gefühlen.

Kaum jemand war so naiv zu glauben, dass sich nach Enkes Tod etwas ändern würde im Fußball, und insgeheim haben es die meisten auch nicht wirklich gewollt. Konkurrenz, Rivalität und zuweilen auch Feindschaft gehören dazu, sie machen einen Teil der Faszination aus. Doch der Kontrast der Bilder ist eine Herausforderung – vor allem für den DFB und seinen Präsidenten. Als in der vergangenen Saison ein Dortmunder Fan das Bild des Hoffenheim-Gönners und Zwanziger-Freundes Dietmar Hopp im Fadenkreuz zeigte, dazu den Schwarzenegger-Spruch Hasta la Vista, lief der Verband zu ganz großer Form auf. Mal sehen, was jetzt kommt.

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