• Robert Kromm im Interview: "Wir brauchen einen Verrückten, der Geld in die Hand nimmt"

Robert Kromm im Interview : "Wir brauchen einen Verrückten, der Geld in die Hand nimmt"

Volleys-Kapitän Robert Kromm über das Final Four der Champions League in Rom, die Probleme des deutschen Volleyballs und zu freundliche Trainer.

Robert Kromm, 33, spielt seit 2012 bei den BR Volleys. Am Samstag in Rom trifft Deutschlands Volleyballer des Jahres, der 2,12 Meter groß ist, mit den Berlinern im Halbfinale der Champions League auf Zenit Kasan (16.30 Uhr/live auf laola1.tv).
Robert Kromm, 33, spielt seit 2012 bei den BR Volleys. Am Samstag in Rom trifft Deutschlands Volleyballer des Jahres, der 2,12...Foto: imago/Camera 4

Robert Kromm, schließt sich für Sie an diesem Wochenende in Rom ein Kreis?

Inwiefern?

Sie haben sechs Jahre in Italien gespielt, sind mittlerweile 33 Jahre alt und kehren als Deutschlands Volleyballer des Jahres beim wichtigsten Klubfinalturnier Europas nach Italien zurück.

Ich würde nicht sagen, dass sich der Kreis schließt, denn ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre durchhalte. Aber es ist für mich natürlich etwas Besonderes. Dass ich in Italien ein Final Four der Champions League spielen kann, werde ich unheimlich genießen. Ich spreche die Sprache, verstehe die italienische Kultur – und aus dem Volleyball-Blickwinkel ist es einfach eine große Ehre, in Rom gegen die besten Teams Europas anzutreten.

Italien ist eine der bestimmenden Volleyball-Nationen. Wie hat Sie die Zeit dort geprägt?

Das Fehlersuchen beim Gegner ist in Italien viel ausgeprägter als anderswo. Diese Herangehensweise überträgt sich natürlich auch auf das Spiel. Da gilt: eigene Fehler vermeiden und die Fehler des Gegners ausnutzen. Das ist die klassische italienische Schule – und das hat mich natürlich auch geprägt.

Haben Sie als Volleyballspieler dort mehr Wertschätzung erfahren als hierzulande?

In Berlin ist es super für mich, das will ich gar nicht kleinreden. Aber in Italien war es oft so, dass mich wirklich jeder in der Stadt kannte. Beim Einkaufen haben die Leute mich gegrüßt und angesprochen – und ich habe in Städten wie Modena, Verona oder Perugia gespielt, also keine Kleinstädte. Die Leute identifizieren sich sehr mit ihren Klubs und bekommen auch viel mehr Informationen über Volleyball. Es wird ganz anders darüber berichtet. Die Aufmerksamkeit für Volleyball ist in Italien einfach größer.

In Deutschland haben die Liga und der Verband in einigen Bereichen zu kämpfen, sei es bei der Sponsorensuche oder der Vermarktung.

Italien hat eben investiert in den Volleyball. So etwas zahlt sich auf lange Sicht aus. Wenn man den Anfang aber nicht macht und nur so rumdümpelt wie in Deutschland, hat man einfach Probleme.

Was müsste passieren, dass sich der Status des Volleyballs in Deutschland ändert?

Da müsste jemand mal richtig Geld in die Hand nehmen. Man bräuchte einen Verrückten, der sagt: „Ich nehme die Nationalteams der Frauen und Männer aus dem normalen Verbandsbetrieb raus und vermarkte die mit richtig viel Kraft.“ Der Verband allein kann das nicht leisten, denn es ist ein riesiger Apparat, der sich auch noch um den Juniorenbereich und Beachvolleyball kümmern muss. Vielleicht ist das Berliner Modell ja auch ein gutes für die Nationalmannschaft.

Warum?

Wir als erste Volleyball-Mannschaft des Vereins sind zwar immer noch ein Bestandteil des SC Charlottenburg und haben die Unterstützung des Klubs. Aber wir haben uns als BR Volleys anders aufgestellt. Vielleicht wäre das auch für das Nationalteam ein Weg, aber es ist natürlich sehr schwierig.

Dabei gibt es viele sehr gute deutsche Nationalspieler, die allerdings fast alle im Ausland unter Vertrag stehen.

Die müssen dann auch bereit sein, in der Nationalmannschaft zu spielen. Vor der WM-Qualifikation Ende Mai haben wieder einige abgesagt. Man kann sie ja verstehen: Für die Zeit beim Nationalteam zahlen andere Verbände ihren Spielern gutes Geld. In Deutschland ist das nicht so. Wir verdienen unser Geld eben bei den Vereinen. Wenn man sich aber im Nationalteam während des Sommers schindet, riskiert man Verletzungen.

Nun steht erst mal das Final Four an. Was haben Sie sich vorgenommen?

Wir wollen eine Medaille gewinnen. Es wird schwer, diese schon mit einem Sieg am Samstag im Halbfinale gegen Zenit Kasan klarzumachen, die sind das beste Team der Welt. Aber wir haben in dieser Saison gezeigt, dass wir besonders in den Spielen gut spielen, in denen wir nicht die Favoriten sind. Wahrscheinlich geht es für uns dann im Spiel um Platz drei um die Medaille. Und da werden wir uns auch richtig reinhauen.

Sehr besonders ist das Final Four auch für den Volleys-Trainer Roberto Serniotti.

Er wird bestimmt nervös rumhüpfen in Rom (lacht). Natürlich ist er sehr stolz darauf, dass er es mit uns so weit geschafft hat. Gegenüber seinen Landsleuten ist das natürlich noch etwas anderes.

Fast zwei Jahre ist Serniotti nun Trainer in Berlin. Es deutet vieles daraufhin, dass er im Sommer geht. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Seine taktischen Spielvorbereitungen haben uns vorangebracht und wir haben unter ihm auch einige Erfolge gefeiert. Besonders bei den Finalteilnahmen können wir uns nicht beklagen – da waren wir in den vergangenen zwei Jahren ja in jedem Wettbewerb immer dabei.

Sie haben aber auch schon gesagt, dass Serniotti und Sie zwar mit Italienisch die gleiche Sprache sprechen, aber beim Volleyball nicht immer einer Meinung sind.

Was die Taktik angeht, ist es gar nicht so unterschiedlich. Wir sind unterschiedlich in der Art, wie wir mit Spielern und Verantwortlichen umgehen. Serniotti ist eher ein verschlossener Typ, ich bin geradeaus mit meiner Meinung. Wir sind uns also nicht so einig, wie wir die Leute ansprechen. Er ist eben etwas schwammig, wenn er Leute kritisiert. Manchmal ist er vielleicht sogar zu freundlich. Und man hat in dieser Saison ja auch gesehen, dass das nicht immer so positiv war. Das entwickelt sich ja über das ganze Jahr.

Hat das auch etwas damit zu tun, dass die Volleys bisher alle fünf Spiele gegen Friedrichshafen verloren haben und nun im Finale um die Meisterschaft nur noch geringe Chancen haben?

Da ist die gesamte Mannschaft gefragt. Es stimmt ja: Noch haben wir Friedrichshafen nicht geknackt. Die liegen uns anscheinend überhaupt nicht. Wir stehen uns gegen sie oft selbst im Weg. Denn die Erwartungshaltung, dass wir sie schlagen müssen, ist so groß. Wir sind aber nicht mehr die Favoriten. Noch haben wir hoffentlich zwei Spiele gegen Friedrichshafen – nach dem Final Four, und wieder als Außenseiter.

Egal wie die nächsten Spiele ausgehen, Sie haben in Berlin noch ein Jahr Vertrag. Wie geht es dann weiter?

Ich muss jetzt von Jahr zu Jahr schauen. Wie es mir körperlich geht, spielt da natürlich auch eine große Rolle. In dieser Saison haben wir in 27 Wochen wieder mehr als 40 Spiele absolviert.

So kräftezehrend die vergangenen Monate auch waren, hätten Sie überhaupt gedacht, dass Sie mit den Volleys so weit kommen und nun das Final Four der Champions League spielen?

Nein. Natürlich hatten wir uns hier mittelfristig vorgenommen, uns international zu etablieren. Aber dass es so gut läuft und wir 2015 als Ausrichter beim Final Four der Champions League Dritter werden, 2016 den CEV-Pokal gewinnen und nun zum ersten Mal sportlich das Final Four erreichen, konnte niemand erwarten. Wir holen aus unseren Möglichkeiten und aus unserem Budget wirklich das Maximale heraus.

Jetzt fehlen nur noch die jungen deutschen Spieler aus Berlin, die dann später auch Stützen einer neu vermarkteten Nationalmannschaft werden können.

Der Verein arbeitet daran ja und hat viele Jugendprojekte auf die Beine gestellt. Das ist jedoch nicht einfach, und es braucht Zeit. Aber derzeit sind mit Ruben Schott und Egor Bogachev ja schon zwei junge deutsche Spieler im Kader, die sich super entwickelt haben. Und genau solche Spieler braucht man für eine bessere Vermarktung.

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