• Rocchigianis Pressetraining Im Hotel Vier Jahreszeiten: Ein Mini-Ring wirft "Rocky" nicht mehr um

Sport : Rocchigianis Pressetraining Im Hotel Vier Jahreszeiten: Ein Mini-Ring wirft "Rocky" nicht mehr um

MICHAEL ROSENTRITT

Am 7.Februar ist sein Gegner aber Ex-Weltmeister Michael Nunn (USA)VON MICHAEL ROSENTRITT BERLIN.Etwas leichtfertig sollte sich der nicht gerade als handsam geltene Graciano Rocchigiani auf die Probe gestellt wissen.Vertragssender RTL hatte zum Zwecke eines Pressetrainings die pikfeine Halle des Schloßhotels "Vier Jahreszeiten" im Grunewald gemietet, doch unter den schweren Kronleuchtern und mächtig verzierten Holzdecken war nur eine schlechte Ausgabe eines Boxringes montiert worden.Worauf der schnell übel zu launende Profiboxer nur das öffentliche Sparring absagte. "Wer Graciano kennt, weiß, daß er sich erstaunlich ruhig verhalten hat", sagte Wilfried Sauerland, der den Kampf am 7.Februar in der Max-Schmeling-Halle um den vakanten WBC-Titel im Halbschwergewicht zwischen dem Berliner Rechtsausleger und Ex-Weltmeister Michael Nunn aus den USA veranstaltet. Schon als Rocchigiani - über eine mächtige Treppe in den Saal hinabsteigend - das nicht quadratischen Geviert mit hängenden Seilen erblickte, drohte er stehenden Fußes kehrt zu machen und die Veranstaltung im von Stardesigner Karl Lagerfeld gestylten Haus zu sprengen.Stattdessen würdigte "Rocky" das restliche Intereur keines weiteren Blickes, schluckte seine Wut herrunter und ging schließlich mit seinem Trainer Emanuel Steward, dem Chef des weltberühmten Detroiter Kronk-Gyms, über vier schweißtreibende Runden an den Pratzen.Dem ureigens dafür mitgeschleppten Sparringspartner Jesus Ruiz aus Mexiko sollte so viel "Streß" erspart bleiben. Nicht nur, daß das Geviert zu klein war - zudem barg die nicht richtig straff zu spannende Ringbodenplane ein "hohes Verletzungsrisiko", meckerte Christine Rocchigiani, die Ehefrau des Boxers."Der Ring ist ein Witz", maulte Steward, der auch nicht für sich behalten wollte, daß er in seiner über dreißig Jahre währenden Laufbahn so etwas noch nicht zu Gesicht bekommen habe - "und ich habe sehr viel schon gesehen". Der Ring im Nobelhotel war zwar nicht rund, es soll sich zudem um den Original-Boxring der Max-Schmeling-Halle gehandelt haben, doch habe laut RTL "eine professionelle Ringbau-Firma an der einen Seite zwei Segmente einfach weggelassen".Scheinbar besitzt dieses Haus wirklich eine ungewöhnliche Ausstrahlung, seitdem der Lagerfeld da war. "Was ihr sehen wolltet, habt ihr gesehen", sagte Steward den Journalisten und lobte den physischen Zustand seines Boxers über den berühmten Klee: "Graciano ist in der Form seines Lebens." Dieser selbst hatte wie gewöhnlich immer vor seinen Kämpfen wenig Worte für die Öffentlichkeit übrig: "Ich fühle mich sehr wohl und hoffe, daß ich das am 7.Februar bestätigen kann.Ich will die Sache so schnell wie möglich hinter mich bringen", sagte Rocchigiani."Wir gehen davon aus, daß Nunn in Bestform ist.Prognosen darüber, ob und wann mein Gegner fällt, sind daher nicht angebracht." Mit diesem Weltmeisterschaftskampf endet auch offiziell die Zusammenarbeit mit Promoter Wilfried Sauerland, der mit dem Boxer einen Veranstalter-Vertrag für drei Kämpfe mit einem Börsenvolumen von insgesamt sechs Millionen Mark geschlossen hatte.Für Sauerland sei prinzipiell eine weitere Zusammenarbeit denkbar, "doch sollten wir dann von Kampf zu Kampf entscheiden.Wichtig ist jetzt nur, daß Graciano in guter Form ist.Denn nach Punkten kann er diesen Kampf nicht verlieren." Die Eheleute Rocchigiani wollten gestern jedoch noch nicht über die Zukunft sprechen."Erst wollen wir den 7.Februar überstehen.Und wenn Graciano dann endlich Weltmeister ist, sieht die Welt doch ganz anders aus", sagte Ehefrau Christine, die eine Art Managerin ihres Mannes mimt.Für den Herbst des Jahres stellte Wilfried Sauerland eine Revanche gegen Konkurrenz-Weltmeister (nach Version der WBO) Dariusz Michalczewski aus Hamburg in Aussicht.Christine Rochigiani meinte in Erinnerung an die umstrittene Niederlage im ersten Duell mit dem "Tiger" im August 1996 in Hamburg: "Graciano hat es doch gar nicht nötig, gegen Michalczewski zu boxen.In Hamburg hat er damals doch klar gewonnen.Diesen Kampf braucht nur einer: Michalczewski, denn über ihn wird doch sonst nicht weiter gesprochen."

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