Sport : Röbers Truppe ist kein Niemand mehr (Kommentar)

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Der AC Mailand spielt in einer höheren Liga. Das hat Dieter Hoeneß vor dem Spiel am Dienstag im Meazza-Stadion gesagt. Nach der Partie gefragt, ob er noch immer dieser Ansicht sei, kam der Manager von Hertha BSC in Beweisnot. Klubs wie der AC Mailand oder der FC Chelsea mögen über die Topspieler der Welt verfügen, doch das allein muss nicht den Ausschlag geben. Hertha BSC kompensiert das weitaus geringere spielerische Potenzial durch eine geschlossene mannschaftliche Leistung. Das genügt offenbar, um auch gegen die ganz Großen des europäischen Fußballs zu bestehen.

Jürgen Röbers ursprüngliche Überzeugung, seine Mannschaft wolle in der Champions League nur lernen, ist so nicht mehr zu halten. Selbstbewusst sagt Mannschaftskapitän Michael Preetz, im Berliner Olympiastadion könne Hertha jeden Gegner der Gruppe H besiegen. Wer in Istanbul und Mailand nicht verloren und Chelseas Star-Ensemble bezwungen hat, der darf auch selbstbewusst sein. Die Berliner sind in der Champions League, mag sie durch die Gier nach dem großen Geld auch längst diesem Anspruch nicht mehr gerecht werden, kein Niemand mehr. Und sie haben sich Respekt verschafft.

Wen interessiert da schon die Kritik des AC Mailand an Herthas Catenaccio uralter italienischer Prägung? Hatte Milan etwa erwartet, die Berliner würden stürmend ihre Chance nutzen? Für Hertha BSC kann es nicht darum gehen, einen Schönheitspreis zu gewinnen. In der Champions League geht es auch um wahnsinnig viel Geld. Was zählt, sind gute Ergebnisse.

Wer sich wie Hertha BSC nun Hoffnungen auf den Einzug in die zweite Runde machen kann, der gerät leicht in einen Zwiespalt der Gefühle. Das Weiterkommen in der Champions League garantiert noch keinen Platz im nächsten Europapokal. Wenn Röber dem nationalen Wettbewerb Priorität einräumt, ist das nur folgerichtig. Doch der Erwartungshaltung der Fans hinsichtlich des internationalen Auftretens gilt es auch Rechnung zu tragen. Das kostet viel Kraft, psychisch und physisch.

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