Sport : Rot ist für alle da

Manfred Amerell

Hamburg, 18. Minute: Der Duisburger Fatmir Vata wird verletzt ausgewechselt und nach eigener Aussage von Hamburger Fans beleidigt. Der Albaner revanchiert sich mit obszönen Gesten in Richtung Publikum. Hätte Vata dafür die Rote Karte sehen können, obwohl er schon ausgewechselt war?

Ja. Herr Vata hat „anstößige, beleidigende oder schmähende Äußerungen oder Gebärden gebraucht“. Er hat den Mittelfinger gezeigt und auch noch die Armbeuge geschlagen, und das ist mit einem Feldverweis zu bestrafen. Seit einem Jahr gilt dies auch für ausgewechselte Spieler. Solange sich der Schiedsrichter auf dem Spielfeld befindet, kann er jeden Spieler sanktionieren, egal, ob dieser am Spiel teilnimmt oder nicht. Da das Schiedsrichter Markus Schmidt in diesem Fall nicht getan hat, besteht die Möglichkeit, nachträglich ein Verfahren wegen krass sportwidrigen Verhaltens einzuleiten. Dabei kommt es darauf an, ob Schmidt den Vorfall bemerkt und sich dazu entschieden hat, ihn nicht zu bestrafen. In diesem Fall wird es als Tatsachenentscheidung gewertet. Davon ist aber kaum auszugehen, schließlich war Vata bereits auf dem Weg in die Kabine, und im Normalfall schaut kein Schiedsrichter einem ausgewechselten Spieler hinterher. Wenn Schmidt den Vorfall also nicht bemerkt hat, kann das wie eine Tätlichkeit hinter dem Rücken des Unparteiischen behandelt werden. Dann muss der Kontrollausschuss entscheiden, ob er ein Verfahren einleitet. In vergleichbaren Fällen ist dies geschehen, und dann ging das nie ohne Sanktionen ab. Das kann von der Geldstrafe bis zur Sperre reichen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben