Sport : Rückkehr als Fortschritt

Denis Pederson stürmt wieder für die Eisbären

Claus Vetter

Berlin - Sie schauten gestern beim Training der Eisbären alle ein wenig fröhlicher drein als so oft in dieser Saison. Denn einige tausend Kilometer westlich von Hohenschönhausen war ein Mann mit den Reisevorbereitungen beschäftigt, dessen Qualitäten sie beim kriselnden deutschen Eishockey-Meister gebrauchen können: Denis Pederson kehrt nach Berlin zurück, nachdem es für den Kanadier mit einem Comeback in der nordamerikanischen Profiliga NHL nichts wurde. Eisbären-Trainer Pierre Pagé sieht die Rückkehr als Fortschritt, denn: „Denis war lange unser wertvollster Spieler.“

Für die St. Louis Blues war Pederson nicht wertvoll. Nach drei Jahren in Berlin hatte er am 30. September beim NHL-Klub unterschrieben. Pederson wurde aber ins Farmteam nach Peoria abgeschoben, in die American Hockey-League, wo die Spieler vor allem auf ihre Statistik und nicht so sehr auf den Teamerfolg schielen. Schließlich wollen die meist jungen Profis in die NHL. Dort hat Pederson schon 462 Mal mitgewirkt, bevor er nach Berlin kam. Das Hauen und Stechen in der Farmteam-Liga wollte er sich mit 31 Jahren nicht mehr antun. Nach nur einem Einsatz verließ er die Peoria Rivermen und fuhr zurück nach Kanada.

Seitdem stand Pederson mit den Eisbären in Kontakt. „Denis hat zwei Wochen gebraucht, um seine Situation mit St. Louis zu klären“, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee. Nun könne er bis zum Saisonende in Berlin bleiben.

173 Mal stand Pederson für die Eisbären auf dem Eis, war bei beiden Meisterschaften dabei und schoss 68 Tore. Zahlen drücken aber nicht aus, wie wertvoll der groß gewachsene Mann für die Eisbären war. In der Kabine habe Pederson selten etwas gesagt, aber wenn er laut wurde, hätten alle Mitspieler zugehört, berichtet Lee. Und Mannschaftskapitän Steve Walker sagt: „Wir sind froh, dass er zurückkommt. Denis hat einen guten Charakter und dann schüchtert er mit seinem Kampfgeist und seiner Präsenz die Gegner ein.“ Pederson kann es laut Lee kaum erwarten, wieder zu spielen: „Der hat mich schon nach Eiszeiten ab Montag gefragt.“ Trainer Pagé ist sich sicher, dass Pederson die dann beginnende neuntägige Spielpause in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nutzen wird: „Denis ist ein Fitness-Mann.“ Auch beim neuen Verteidiger Jeff Jillson, der noch sehr kräftig wirkt, glaubt Pierre Pagé, „dass er die Zeit brauchen wird, um gut in Form zu kommen“.

Eisbären-Zugang Nummer drei könnte Verteidiger Kyle Wharton werden. Beim heutigen Spiel der Berliner gegen die Hannover Scorpions (19.30 Uhr Sportforum) schauen Verantwortliche der Columbus Blue Jackets zu, der NHL-Klub besitzt die Transferrechte an dem Kanadier. „Wir werden entscheiden, ob Kyle in Berlin bleibt oder nicht“, sagt Lee. Während Wharton mit 20 Jahren noch von der NHL träumen darf, hat sich das für Pederson mit der stärksten Eishockey-Liga der Welt wohl erledigt. Vielleicht passt der Kanadier aber auch besser in die DEL, denn in der NHL waren seine Möglichkeiten eher „begrenzt“, wie er einmal sagte: „Ich habe dort meist nur in der dritten oder vierten Reihe gespielt, und da bist du vor allem fürs Toreverhindern zuständig.“ Er wolle aber „kreativ sein und Tore schießen“. Das darf Denis Pederson, der Montag in Berlin erwartet wird, nun wieder, schon am 14. November für die Eisbären beim Auswärtsspiel in Ingolstadt – gut drei Jahre nach seinem Debüt für die Berliner am 12. September 2003.

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