Sport : Rückkehr des Originals

Hertha kann wieder Spielmacher Bastürk einsetzen

Stefan Tillmann

Berlin - Nach den Spielen steht er meist da, wo er nicht stehen will: im Mittelpunkt. Ihn umzingeln dann Journalisten, rücken immer näher. Yildiray Bastürk spricht sehr leise. Oft guckt er dabei misstrauisch. Meist hat er gut gespielt, er mag aber nicht darüber reden. Bastürk ist ein Star, ob er will oder nicht. Dafür ist der Mittelfeldspieler von Hertha BSC zu stark – oder seine Mannschaftskollegen sind zu schwach. Es passt zum 1,68 Meter großen Türken, dass seine Bedeutung gewachsen ist, ohne dass er viel dazu beigetragen hat. Bastürk war verletzt, einen Monat lang, und der Berliner Fußball-Bundesligist hat gemerkt, wie sehr er ihn braucht.

Zum Spiel heute gegen Borussia Mönchengladbach kehrt der Spielmacher zurück. Seinen Außenbandanriss im Knie hat der 27-Jährige auskuriert, eine halbe Woche normal trainiert. Spielen soll er, „soweit ihn die Füße tragen“, sagt Herthas Trainer Falko Götz. Seine Anwesenheit werde die Mitspieler motivieren. Bastürk ist so wertvoll wie lange nicht, vielleicht wie zuletzt in seiner Zeit beim VfL Bochum. Drei Jahre spielte er danach in Leverkusen, neben Michael Ballack und Bernd Schneider. Und in den ersten beiden Jahren in Berlin stand Marcelinho im Mittelpunkt.

Bastürk spricht ungern über Marcelinho, den Exzentriker. „Ich mag keine Leute, die sich wichtig nehmen“, hat er mal gesagt. Seit dessen Weggang ist er der wichtigste Berliner. Mit Bastürk erspielte sich Hertha die Tabellenführung. Ohne ihn und den ebenfalls verletzten Gilberto gelang den Mitspielern in vier Spielen kein Sieg, und sie schieden aus dem Uefa-Cup aus. Götz setzte meist die beiden 19-Jährigen Kevin-Prince Boateng und Patrick Ebert im offensiven Mittelfeld ein. Doch sie waren gemeinsam genauso überfordert wie Boateng in der ersten Halbzeit beim 2:4 in München, als er allein in der Zentrale spielte. „Einen Spieler wie Bastürk können wir nicht ersetzen, das kann kein Bundesligist“, sagt Manager Dieter Hoeneß.

Der Türke mit der engen Ballführung hat die Spiele genau beobachtet. Sein Vertrag läuft zum Saisonende aus. Ob er verlängert, hängt von der Perspektive des jungen Teams ab. „Ich will in der Champions League spielen“, hat der 44-fache Nationalspieler gesagt. Ende des Jahres will sich Bastürk mit den Verantwortlichen zusammensetzen. „Er hat bei uns die Perspektive, der zentrale Mann zu sein“, sagt Hoeneß. Götz will mit einer jungen Mannschaft die Bedingungen schaffen, damit er bleibt. Noch brauchen die jungen Spieler erfahrene wie Bastürk. Nun müssen sie zeigen, dass auch sie Bastürk weiterbringen.

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