Rückkehr nach Köln : Poldi, der Mittelpunkt der Welt

20.000 Fans feiern Podolskis Rückkehr nach Köln. Der neue Trainer Soldo ist überwältigt. Vom Jungen, der auszog, ein Weltstar zu werden und zurückkam, um die Menschen zu erfreuen.

Jörg Strohschein[Köln]
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Lukas Podolski beim Training in Köln -Foto: ddp

Pünktlich um 18 Uhr erheben sich die Fans des 1. FC Köln von ihren Sitzen. Die mehr als 20 000 Zuschauer im Stadion müssen zwar noch einige Minuten warten, bis der Moment kommt, auf den sie all die Jahre gewartet haben. Aber selbst diese Zeit ist zu bedeutend, als dass nicht auch dafür zumindest ein wenig Energie verschwendet werden könnte. Die FC-Hymne wird eingespielt und der Chor grölt das kölsche Liedgut so intensiv mit, als würde in den nächsten Minuten ein entscheidendes Spiel ihres FC stattfinden. Selbst Oberbürgermeister Fritz Schramma hat sich Zeit für das Auftakttraining genommen. Dann endlich, nach langen sechs Minuten des Wartens, betritt die Hauptperson im Trikot der Rheinländer den Rasen. Die Leute stoßen Schreie der Begeisterung aus, der Name des Gepriesenen hallt in Sprechchören durch das Kölner Stadion: „Lukas Podolski“. Präsident Wolfgang Overath jubiliert: „Ich weiß nicht, ob es so etwas in Deutschland schon einmal gegeben hat.“ Tatsächlich ist das Happening selbst für Kölner Verhältnisse einzigartig: Bei der Vorstellung des vermeintlichen Trainer-Messias Christoph Daum im November 2006 waren nur 9000 Menschen zugegen.

Eine Stadt ist in Aufruhr, weil sie ihren verlorenen Sohn wiederbekommen hat. Einen 24-Jährigen, der die Hoffnung auf bessere und vermutlich sogar auf längst verblasste, große Zeiten eines Traditionsklubs trägt. „Dä Poldi“ ist wieder zurück aus München, wo er drei Jahre zubrachte, die weder ihm noch dem FC Bayern geholfen haben. Eine Kölner Boulevardzeitung widmete diesem Ereignis nicht weniger als 22 Sonderseiten, die sie wie folgt betitelte: „Hä es widder do“ („Er ist wieder da“).

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Hä es widder do. Lukas Podolski lässt sich beim Trainingsauftakt feiern. Foto: dpa

Aus den Lautsprechern dröhnt mittlerweile „Nach Hause“ von der Band „5 vor 12“, und der Gefeierte klatscht begeistert ins Publikum. Es ist wenig spektakulär, was die Spieler danach bei ihrem leichten Aufgalopp fabrizieren. Aber darum geht es auch nicht. Es geht den Kölnern darum, dabei gewesen zu sein und ihren Stolz zu zeigen über einen jungen Mann, den sie bereits verehrt hatten, als er im Jahr 2003 als A-Jugendlicher zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz kam. Diesen Lukas Podolski, der so beeindruckend frisch und frech Fußball spielen konnte und der in seinen ersten Interviews so überraschend ehrlich war, dass ihm die Sympathien zuflogen. Und der trotz vieler Angebote einiger international bekannter Klubs zurück an den Rhein gekommen ist. Die Kölner feiern Lukas Podolski, so wie sie sich auch immer ein wenig selbst feiern, weil sie alles, was mit ihrer Stadt zu tun hat, immer gern als Mittelpunkt der Welt begreifen. Nun ist Podolski der Mittelpunkt dieses Mittelpunkts.

Bei all der kollektiven Begeisterung wird Podolski nach dem überraschenden Wechsel von Trainer Christoph Daum in die Türkei aber auch fast die gesamte Aufmerksamkeit und Wünsche der Anhänger und der Medien ertragen müssen. Daum hätte mit seiner extrovertierten Art noch als Katalysator für die neuen Hoffnungen dienen können. Nun wird der 10-Millionen-Euro-Stürmer diesem Erwartungsdruck alleine standhalten müssen. „Die vielen Zuschauer sind der Beweis dafür, dass wir mit dem Transfer das Herz der Kölner getroffen haben“, sagte Manager Michael Meier stolz. Lukas Podolski selbst lässt sich nicht allzu sehr beeindrucken von der Hysterie. „Ich bin den Rummel gewohnt“, sagt er gewohnt unaufgeregt. „Ich freue mich einfach, wieder in der Heimat zu sein.“ Dort erwartet ihn seine wohl schwerste Saison.

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