Rücktritt beim VfB Stuttgart : Armin Veh: Der Bauch will nicht mehr

"Ich glaube, dass es besser ist, wenn ich nicht da bin" - Meistertrainer Armin Veh hört mal wieder auf sein Gefühl und tritt als Trainer des VfB Stuttgart zurück.

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Armin Veh steht am Spielfeldrand und schaut auf den Boden.
Und was denke ich? Das fragte sich Armin Veh nach dem unglücklichen 0:1 gegen Augsburg und gab sich die Antwort: Es ist besser,...Foto: imago/MIS

Glücklich sah Armin Veh schon lange nicht mehr aus, wenn er mit seinem Auto sein Haus im noblen Stuttgarter Stadtteil Sonnenberg ansteuerte. Beim Bäcker, an der Ampel oder bei Pressekonferenzen zog der Trainer des VfB Stuttgart die Mundwinkel nach unten. Armin Veh ist ein Gefühlsmensch, auch im Profigeschäft Fußball-Bundesliga. Mancher hat ihm das angelastet, ein Stimmungsmensch ist eben schwer einzuschätzen oder zu kontrollieren. Das hat jetzt auch ein Verein erfahren, der wohl niemals geglaubt hätte, einmal vom Vehschen Bauchgefühl derart kalt erwischt zu werden, wie es am Montag dem VfB Stuttgart widerfahren ist.

Der 53 Jahre alte Fußballtrainer Armin Veh hat aufgegeben. Mitten in der Saison. Zum zweiten Mal in seiner Karriere. Das Quäntchen Glück habe gefehlt, sagte er am Montagmittag bei seiner Abschiedspressekonferenz. „Ich bin ein Gefühlsmensch, was das anbelangt“, sagte er, „ich bin überzeugt, dass es mit einem anderen Trainer besser geht, und der VfB mehr Punkte holt.“ Sein Vertrag wurde in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst.

2003 ist er bei Hansa Rostock gegangen, was er später als größten Fehler seiner Karriere bezeichnet hat. Anschließend war der Augsburger stigmatisiert, galt als unzuverlässig. Bis ihn 2006 der VfB Stuttgart zum ersten Mal holte, weil er günstig zu kriegen war und bereit war, als Übergangslösung zu gelten. Anschließend holte er mit dem Klub 2007 den Meistertitel. Als er nach drei Jahren bei Eintracht Frankfurt ebenfalls überraschend ging, sagte Armin Veh: „Wenn ich wieder etwas mache, dann nur eine Sache.“ Seinen VfB Stuttgart.

Armin Veh hatte große Lust auf die alte und neue Aufgabe gehabt. Erstmals hat er einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Doch die Euphorie, die Veh nach den Gesprächen mit der Stuttgarter Klubführung verspürte, wich nach seiner Rückkehr an den Neckar so schnell wie Luft aus einem Reifen mit offenem Ventil. Es folgten immer lautere Klagen über die mangelnde Qualität des VfB-Kaders. Zwischen den Zeilen klang der Vorwurf durch, dass der Verein für Bewegungsspiele Versprechungen nicht eingehalten hat. „Es gibt auch Dinge, die kann ich jetzt nicht mitteilen“, sagte er am Montag.

Armin Veh zu seinem Rücktritt: "Ich glaube, dass es besser ist, wenn ich nicht da bin"

Veh hat seinen Rücktrittswunsch unmittelbar nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Augsburg am Sonntagabend der Vereinsführung offenbart. Und damit deutlich gemacht, dass er sich selber als das zentrale Problem des VfB ansieht. „Ich glaube, dass es besser ist, wenn ich nicht da bin“, sagte er. Das entspricht der Vehschen Persönlichkeitsstruktur: Wenn der Mann keine Lust mehr hat, hat er keine Lust mehr. Da konnte ihn auch die Vereinsführung nicht mehr umstimmen.

Der Tabellenletzte muss nun nicht mehr nur einen Nachfolger des entlassenen Managers Fredi Bobic suchen, sondern auch einen neuen Trainer. Huub Stevens könnte ein Kandidat sein, er bewahrte den VfB vergangene Saison vor dem Abstieg und wurde dann weggeschickt, weil man ihn für nicht zukunftstauglich hielt. Berti Vogts bezeichnete Klubchef Bernd Wahler als Spekulation.

Veh ist auch am VfB Stuttgart gescheitert. An jenem Verein, dem Kritiker vorwerfen, sich selbst vom Meisterthron 2007 bis hinunter auf Rang 18 kaputtzu- planen. „Nicht das fehlende Geld, sondern eure Unfähigkeit ist das Problem“, schrieben die VfB-Fans unlängst auf ein Transparent. Sie meinten damit nicht den Trainer Armin Veh, der viele Sympathien genossen hat. Mancher sieht seinen Rücktritt nur als letzten Warnschuss, andere werfen ihm vor, keine Steherqualitäten zu haben. Nun liegen beide am Boden. Veh, dessen Trainerkarriere einen neuen Tiefpunkt erlebt, von dem er sich nur schwer erholen dürfte. Und der VfB Stuttgart, der mit nur neun Punkten am Tabellenende steht und Abstiegsangst so intensiv spürt wie selten zuvor.

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