Sport : Ruhe für Leidenschaft

Hertha bricht vor Kaiserslautern mit Gewohnheiten

Mathias Klappenbach

Berlin - Es wird Zeit, etwas zu ändern. Und in Ruhe über alles zu reden. Deshalb ist die Mannschaft von Hertha BSC entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit schon zwei Tage vor dem Auswärtsspiel in Kaiserslautern (Samstag, 15.30 Uhr) aus Berlin abgereist. „Wir wollen dadurch unterstreichen, dass es ein wichtiges Spiel für uns ist“, sagt Trainer Falko Götz. Hertha hat noch kein Spiel in dieser Bundesligasaison gewonnen, und in Kaiserslautern gab es in den vergangenen Jahren wenig zu holen.

Im November 2003 beispielsweise, als der damalige Trainer Huub Stevens gerade die „ultimative Vereinbarung“ überstanden und Hertha danach gegen Borussia Mönchengladbach gewonnen hatte, war das Bundesligaspiel in Kaiserslautern ein neuer Tiefpunkt in einer bis dahin ohnehin katastrophalen Saison. Hertha führte zur Pause gegen desolate Lauterer 2:0. Doch dann brach die Mannschaft auf unerklärliche Weise ein und verlor noch 2:4. Dieses Spiel war zwar nur ein weiteres in einer Reihe von schlechten, die Beziehung zwischen den Verantwortlichen bekam danach aber eine fundamental neue Qualität. Huub Stevens und der Manager Dieter Hoeneß wiesen der Mannschaft nach dieser Niederlage zum ersten Mal öffentlich die volle Verantwortung für die bis dahin gezeigten Leistungen zu. Der Druck auf die Verantwortlichen wurde von diesem Spieltag an direkt an das Team weitergegeben.

Auch Falko Götz hat nun angekündigt, seine Spieler öffentlich zu kritisieren, wenn sich die individuellen Fehler aus den vergangenen Spielen wiederholen. Doch bis zum Samstag setzt er erst einmal auf die entgegengesetzte Strategie der Abschottung. Dazu sollte Hertha jetzt erst einmal „raus aus Berlin und mit alten Gewohnheiten brechen“. In vielen Einzelgesprächen will er „die Leidenschaft wecken, untereinander Fehler wiedergutzumachen“.

Die Mannschaft soll sich in diesen zwei Tagen noch einmal neu finden. Und vielleicht auch schon mental auf eine kommende Aufgabe vorbereitet werden. Bei einer Niederlage in Kaiserslautern wird sie sich erst einmal wieder in der unteren Tabellenregion einrichten müssen.

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