Sport : Rumänien - Portugal: Man träumt schon vom Titelgewinn

Mit einem Sieg im zweiten EM-Gruppenspiel gegen Rumänien wäre die Viertelfinal-Teilnahme perfekt. Doch nach dem triumphalen Auftakt gegen England hat die "goldene Generation" des portugiesischen Fußballs schon jetzt Größeres im Sinn: "Bei dieser Europameisterschaft können wir den größten Triumph in der Geschichte des Landes erreichen", verkündet der wieder genesene Ex-Dortmunder Paulo Sousa - und meint damit den EM-Titel.

Auch Trainer Humberto Coelho, der auf alle Leistungsträger zurückgreifen kann, gibt sich vor der heutigen Partie in Arnheim (18 Uhr, live in der ARD) selbstbewusst: "Wir haben eines der besten Teams bei der EM. Luis Figo ist ein Führungsspieler wie Zinedine Zidane." Nationalidol Eusebio vergleicht das aktuelle Team des deutschen Gruppengegners derweil ständig mit jener Elf, die 1966 den bisher größten Erfolg verbuchte: dritter Platz bei der WM in England. "Der Mannschaftsgeist ist so wie damals. Die Mannschaft ist eine Einheit", schwärmt Eusebio.

Und auch die Euphorie in Portugal selbst ist riesig: Die TV-Einschaltquote des England-Spiels (3:2) erreichte Landesrekord, die Nation erwartet Großartiges. 1989 und 1991 gewann das Team um die Superstars Luis Figo (FC Barcelona) und Rui Costa (AC Florenz) die Junioren-Weltmeisterschaft, nun soll der ganz große Wurf gelingen. Dass elf der 22 Spieler im Moment über Verträge für die kommende Saison verhandeln und jeden Tag neue Wechsel-Gerüchte die Runde machen, stört die Ruhe im gediegenen Mannschaftshotel Heerlickheijde in Ermelo/Niederlande nicht.

Nur eine Niederlage gegen die Rumänen, die am Donnerstag in ihrem Quartier in Grimbergen/Belgien Besuch von Radsport-Legende Eddie Merckx bekamen, der in der Nachbarschaft wohnt, könnte die Harmonie bei den "Brasilianern Europas" trüben. "Es wird sehr schwer. Wir dürfen sie nicht unterschätzen", sagt Coelho und stapelt keineswegs tief. Schließlich trafen beide Teams schon in der EM-Qualifikation aufeinander: Trotz einer ausgezeichneten Leistung verlor das Team in Porto 0:1, es folgte auswärts ein mageres 1:1.

Erschwerend kommt für die Portugiesen hinzu, dass die Rumänen um ihren 35-jährigen Superstar Gheorghe Hagi nach dem 1:1 gegen Deutschland unbedingt gewinnen müssen. "Ein Sieg ist Pflicht, wenn wir noch weiter kommen wollen", erklärt Trainer Emerich Jenei. Doch der Respekt vor den Portugiesen ist gewaltig: "Sie gehören zu den EM-Favoriten. Das Team ist sehr weit entwickelt und in Topform", sagt Jenei anerkennend. Zudem ist unklar, wie gut Hagi wirklich in Form ist. Im ersten Spiel zeigte er nicht die Leistung, die man sich von ihm erwartet hatte. Doch Hagi ist die Seele des rumänischen Spiels.

Die Rumänen fürchten sich in erster Linie vor einem Portugiesen: "Figo ist einer der besten Spieler der Welt", sagt Gheorghe Popescu. "Er kann Spiele alleine entscheiden", erklärt Jenei - und fügt hinzu: "Ich werde ihn daher in Manndeckung nehmen. Man kann ihn nur ausschalten, wenn einer ihm immer auf den Fersen ist."

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