Sachsenring : Kein Grund zum Jubeln

Die deutschen Motorradfahrer enttäuschen auf dem Sachsenring – Cortese wird immerhin Sechster.

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Vorsicht, Kollege. Sandro Cortese (l.) und Stefan Bradl im Zweikampf. Bradl stürzte später, Cortese wurde Sechster. Foto: ddp

Hohenstein-Ernstthal - Seit 13 Jahren warten die deutschen Fans auf Heimsieg ihrer Lieblinge in der Motorrad-Weltmeisterschaft, und sie werden noch mindestens ein weiteres Jahr warten müssen. Als WM-Spitzenreiter Julian Simon aus Spanien am Sonntag auf dem Sachsenring jubelnd den Zielstrich passierte, hatten sich die deutschen Hoffnungsträger Stefan Bradl und Jonas Folger bereits ihrer Leder-Kombis entledigt. Nur Sandro Cortese als Sechster rettete das Ansehen der deutschen Asse im 125-Kubikzentimeter-Rennen bei Hohenstein-Ernstthal.

So mussten die 98 159 Zuschauer anderen zujubeln – etwa Valentino Rossi, der das Rennen der MotoGP-Klasse vor Jorge Lorenzo und Daniel Pedrosa (beide Spanien) gewann. Es war der 101. Grand-Prix-Sieg des Italieners. Damit baute Rossi auch seine Führung in der Gesamtwertung weiter aus. In der Viertelliter-Kategorie, die wie die MotoGP ohne deutsche Beteiligung über die Bühne ging, siegte Titelverteidiger Marco Simoncelli aus Italien vor den spanischen Aprilia-Piloten Alex Debon und Alvaro Bautista. Der Japaner Hiroshi Aopyama verteidigte als Vierter die Führung im Gesamtklassement.

„Es war ein gutes Rennen nach dem durchwachsenen Wochenende“, sagte Cortese, der in der 125-ccm-Klasse nach dem verregneten Abschlusstraining von Startplatz 15 losgefahren war. „Irgendwie bin ich jetzt schon happy, bester Deutscher zu sein“, sagte der Italo-Schwabe. „Ein Podestplatz wäre mir aber lieber gewesen.“ Zu dem reichte es aber nicht, und zwischenzeitlich war selbst der sechste Rang in Gefahr geraten – durch einen Landsmann. In der 20. von 27 Runden stürzte Bradl, mit dem Cortese ein Verfolgerfeld bildete. Die von der Leitplanke auf die Strecke zurückprallende Aprilia des Bayern flog nur um Haaresbreite an Cortese vorbei. „Da hatte ich echt Glück“, sagte dieser.

Bradl, der sich bei dem Sturz kaum wehtat, war dagegen enttäuscht. „Das ist alles andere als erfreulich gewesen an diesem Wochenende“, meinte Bradl, der den WM-Titel abgehakt hat. „Ich habe erst zu denken begonnen, als ich im Kies lag. Es war eindeutig ein Fahrfehler von mir. Vielleicht hätte ich meine Erwartungen etwas zurückschrauben sollen.“

Der 15 Jahre alte Jonas Folger hatte seinen Sachsenring-Auftritt bereits in der 16. Runde beendet. „Mein Motorrad lag nicht gut, und dann bin ich beim Abbremsen weggerutscht“, sagte der Aprilia-Pilot mit tränenerstickter Stimme.

So war Marcel Schrötter Zweitbester aus dem Gastgeberland. Der vom fünfmaligen Weltmeister Toni Mang betreute Honda-Pilot, der mit einer Wildcard im Einsatz war, hatte am Samstag für Aufsehen gesorgt, als er im strömenden Regen in die erste Startreihe gefahren war. Den vierten Rang konnte er nicht halten, wurde Zwölfter und hofft nun auf weitere WM-Einsätze. dpa

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