Saisonauftakt in Hoppegarten : Als die Illusionen noch galoppieren konnten

Beim Saisonauftakt in Hoppegarten wird an den ersten Renntag nach dem Mauerfall erinnert - und daran, wie die Rennbahn zu einer Bereicherung für den deutschen Galoppsport wurde.

Ulrich Nickesen
Als alle noch guter Hoffnung waren. Ein Bild vom ersten Deutsch-Deutschen Renntag in Hoppegarten am 31. März 1990.
Als alle noch guter Hoffnung waren. Ein Bild vom ersten Deutsch-Deutschen Renntag in Hoppegarten am 31. März 1990.Foto: Imago

Mit einem Jubiläum beginnt nach der sechsmonatigen Winterpause der Start der diesjährigen Saison auf der Galopprennbahn Hoppegarten. Fast auf den Tag genau fand vor 25 Jahren, knapp ein halbes Jahr vor der politischen Einigung, der erste deutsch-deutsche Renntag statt, der für alle Teilnehmer unvergesslich bleiben dürfte. Einen solchen Ansturm hatte die Rennbahn nach dem Ende des Krieges nicht erlebt, wobei damals weniger die sportliche als die emotionale Komponente des Zusammentreffens im Vordergrund stand. Viele Beteiligte von damals werden am Sonntag in Hoppegarten erwartet und dem Publikum ihre Eindrücke jenes denkwürdigen Renntages schildern, die der heutigen Generation möglicherweise schon etwas surreal anmuten mag.

Schließlich wurden in der damaligen Euphorie Hoffnungen genährt, denen jegliche realistische Einschätzung fehlte. Zu groß waren die Systemunterschiede im Rennsport der beiden deutschen Staaten, um Hoppegarten wieder in einem überschaubaren Zeitraum zu dem Zentrum des deutschen Galopprennsports zu machen, das es bis 1944 war. Aber dennoch bildete der 31. März 1990 den Auftakt zu einem Neubeginn der Hoppegartener Parkbahn, der in den folgenden Jahren dazu führte, dass auch international hervorragende Rennen ausgetragen wurden und Spitzenjockeys wie Lester Piggott, Cash Asmussen, Lanfranco Dettori und andere die Reise nach Berlin antraten.

Auch 2015 vier Renntage

Hoppegarten wurde zumindest zu einer Bereicherung für den deutschen Galoppsport, eine echte Konkurrenz für Köln, Hamburg, München oder Baden-Baden war es nicht. Der Euphorie des Neubeginns folgte die Enttäuschung, anderthalb Jahrzehnte nach dem Neubeginn erreichte Hoppegarten seinen Tiefpunkt, bevor es mit der Privatisierung der Rennbahn 2008 wieder aufwärts ging. Nicht zuletzt dem Engagement des neuen Eigentümers Gerhard Schöningh ist es zu verdanken, dass die Rennbahn Hoppegarten weiterhin existenz- und konkurrenzfähig ist. Auch in der diesjährigen Saison finden vier Renntage mit Grand-Prix-Rennen statt, wobei der „Große Preis von Berlin“ im August den Saisonhöhepunkt bildet.

Zur Saisoneröffnung am Ostersonntag stehen heute die Stuten im Mittelpunkt. Im mit 27 000 Euro (16 000 Euro Siegprämie) dotierten „Preis des Gestüt Röttgen – 25 Jahre Deutsch-Deutscher Renntag“ treten sieben Vollblüter auf der Meilendistanz an, darunter mit Lacy und Sovalla die beiden Favoriten. Sovalla wird von Deutschlands bestem Jockey, Andrasch Starke, geritten und von Peter Schiergen in Köln trainiert.

"Der wichtigste Renntag in meiner Karriere"

Vor allem für Schiergen, der in Deutschland sowohl als Jockey wie als Trainer mehr als 1000 Siege zu verzeichnen hat, wäre ein Sieg zur Saisonpremiere ein weiterer bewegender Moment in seiner außergewöhnlichen Karriere. Er hatte schließlich den ersten gesamtdeutschen Renntag vor 25 Jahren mit vier Siegen als Jockey dominiert. „Für mich war der Renntag am 31. März 1990 der wichtigste in meiner Karriere als Jockey“, lautet rückblickend sein Kommentar. Gibt es ein größeres Kompliment für die geschichtsträchtige Rennbahn an der Stadtgrenze von Berlin?

Ein Kompliment, welches wohl auch indirekt als Appell an die Verantwortlichen im Galoppsport zu werten ist, denn mit Erinnerungen an die Vergangenheit lassen sich zukünftige Aufgaben nicht bewältigen.

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