Sport : Saisonstart in Italien in Gefahr

Kein Prozessende im Fußballskandal absehbar

Vincenzo Delle Donne

Rom - Wenige Tage, nachdem im Fußballskandal die Strafen verhängt worden sind, droht der italienische Profifußball in einem heillosen Chaos zu versinken. Die Zeit drängt, und die Probleme, die das Urteil aufwirft, sind immens. Sämtliche verurteilte Vereine haben angekündigt, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Urteile anzugehen. Aber auch der Vertreter der Anklage, Staatsanwalt Stefano Palazzi, hat gegen das Urteil vom 15. Juli Revision angekündigt. Er verlangt einerseits, dass Juventus Turin „wegen der Schwere der Vergehen“ in die dritte Liga verbannt wird und der AC Mailand in die zweite Liga absteigt und nicht in der Serie A bleibt. Das endgültige Urteil des Fußballgerichts wird nun für den 25. Juli erwartet. Die Klubs haben aber schon angekündigt, auch ordentliche Gerichte anzurufen. Das würde zwangsläufig zu einer Verschiebung des Beginns der nächsten Saison in der Serie A führen.

Ursprünglich war der erste Spieltag auf den 27. August terminiert. Es gibt Forderungen, den Ligabeginn um mindestens einen Monat zu verschieben, wahrscheinlich ist ein Saisonstart am 10. September. Die Auswirkungen des Skandals reichen bis in den Alltag der Italiener. Die Tifosi der betroffenen Klubs inszenieren Protestaktionen, um Druck auf die Berufungsinstanz auszuüben. Die Fans des AC Florenz etwa blockierten vier Stunden lang die Gleise des Bahnhofs „Campo di Marte“, um gegen den Zwangsabstieg in die Serie B zu protestieren – weitere Aktionen sollen folgen.

Probleme gibt es auch bei den Fernsehrechten. Die Mediaset-Sender von Silvio Berlusconi, die sowohl die Free-TV- Rechte an der Serie A als auch die digitalen Rechte am AC Mailand und an Juventus Turin haben, verlangen, dass die Verträge neu verhandelt werden. Durch den Zwangsabstieg der Renommierklubs Juventus, Lazio Rom und AC Florenz würden die TV-Rechte erheblich an Wert einbüßen. Als lachender Dritter entpuppt sich dabei der kleine Sender „Sportitalia“, der die Rechte an der zweiten Liga hat. Die Serie B ist im Moment fast so attraktiv wie die erste Liga. Die Frage ist auch, wer die Fernsehverträge überhaupt aushandeln soll. Der Ligaauschuss, der die Profivereine zusammenschließt, hat momentan keinen Präsidenten. Adriano Galliani ist zurückgetreten, über einen Nachfolger zanken die 42 Vertreter der Erst- und Zweitligaklubs.

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