Sport : Salzburger Festspiele

Der österreichische Fußballklub Red Bull will mit Ex-Bayern und den Millionen seines Hauptsponsors in die Champions League

Markus Huber[Salzburg]

Von München nach Salzburg sind es knapp 150 Kilometer, gar nicht so viel also, vor allem nicht für Besserverdiener mit einem vernünftigen Sportwagen. Und doch liegen für Fußballprofis Welten zwischen den beiden Städten. Man muss da gar nicht einmal so sehr die Erfolgsbilanzen von Bayern München und Red Bull Salzburg vergleichen: Im Salzburger Stadion ist gerade Platz für 17000 Zuschauer, gespielt wird auf Kunstrasen, und weil es kein vernünftiges Trainingsgelände gibt, wird in Salzburg abwechselnd auf verschiedenen Sportanlagen in der näheren Gegend geübt.

Das ist also die neue Heimat von Alexander Zickler, 31, und Thomas Linke, 35. Die beiden ehemaligen Stars von Bayern München, die mit ihrem alten Klub immerhin Champions-League-Sieger, Weltpokalsieger und, das gilt zumindest für Zickler, sieben Mal Deutscher Meister waren. Nachdem sie bei Bayern keinen neuen Vertrag bekommen hatten, emigrierten sie nach Österreich, um für Red Bull Salzburg zu spielen. Künftig geht es für sie gegen Dorfklubs wie Mattersburg, Pasching oder den SV Ried, oder, im besseren Fall wie am heutigen Samstag gegen den Österreichischen Meister Rapid Wien. Derzeit liegt Red Bull Salzburg mit drei Punkten aus drei Spielen gerade mal auf Platz sechs der österreichischen Zehnerliga.

Was hat die Zickler und Linke zu diesem Klub getrieben? Wenn man mit Zickler oder Linke darüber spricht, dann hört man nicht viel Erhellendes: Dass sie „mithelfen wollen, Salzburg in die Champions League zu führen“ (Linke) etwa, oder „dass ich das Gefühl habe, hier wird etwas Großes entstehen“ (Zickler).

Tatsächlich hat Salzburg, im Frühjahr vom Energy-Drink-Hersteller Red Bull übernommen, investiert wie noch kein österreichischer Klub jemals zuvor. Bei 35 Millionen Euro soll das Budget des Klubs liegen. Mit den Millionen von Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz durfte der neue Trainer Kurt Jara, der zuvor beim HSV und in Kaiserslautern gearbeitet hat, Spieler wie den tschechischen Stürmer Vratislav Lokvenc, den slowenischen Verteidiger Alexander Knavs und die österreichischen Nationalspieler Markus Schopp, Alexander Manninger und René Aufhauser einkaufen. Gleich 15 Neue umfasst der Kader.

Schon während des Trainingslagers für die neue Saison haben vor allem die österreichischen Spieler gemerkt, dass der Sponsor vieles möglich macht, wovon andere Klubs nicht einmal träumen können: Im Stadion wurde ein gigantisches Wellness-Areal für die Mannschaft errichtet, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu verbessern, flog die Mannschaft eine Woche vor dem Meisterschaftsauftakt zum Formel-1-Rennen nach Magny Cours. Außerdem gibt es für die Salzburg-Kicker ab dieser Saison Audi-A6- und Audi-A4-Wagen als Dienstautos.

Für Mateschitz, der als Berater Franz Beckenbauer engagiert hat, spielt Geld offenbar keine Rolle. Die Gagen für Zickler und Linke sollen bei knapp einer Million Euro liegen. Dafür sollten seine Kicker möglichst bald Champions League spielen. Zickler und Linke sollen dabei helfen, Linke fällt aber noch bis zum Herbst wegen einer Schulterverletzung aus. Zickler erfährt derweil anderes Leid in Salzburg. Bei einem Testspiel in Elixhausen rief ein Zuschauer nach Zicklers Einwechslung mehrmals lautstark „Zickler, du Bayern-Sau“. Alex Zickler bewies Humor: Er winkte ihm freundlich zu.

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