Sport : SC Freiburg: Volker Finkes kühle Rache

Die Aussicht auf die zweite Teilnahme am Uefa-Cup in seiner Vereinsgeschichte hat beim SC Freiburg Volksfeststimmung ausgelöst. Die rund 2000 mitgereisten Fans aus dem Breisgau feierten ihre Stars nach dem 3:1 (1:0)-Sieg beim bereits zuvor als Absteiger feststehenden Bundesliga-Schlusslicht VfL Bochum wie Helden. Aber ausgerechnet der so genannte Matchwinner war ein wenig traurig. "Ich kann leider am nächsten Samstag gegen Wolfsburg nicht dabei sein, weil ich mit Tunesien ein Länderspiel bestreite. Aber mein Herz ist dann in Freiburg", sagte der zweimalige Torschütze Adel Sellimi.

Der in der 39. Minute für den verletzten Tobias Willi eingewechselte Tunesier hatte den VfL-Profis mit seinen beiden Toren in der 47. und 90. Minute den Abschied vom heimischem Publikum verdorben und seinen Club auf den sechsten Tabellen-Rang geschossen. Angesichts der glänzenden Aussichten geriet sogar Freiburgs Trainer Volker Finke ein wenig ins Schwärmen. "Mit den drei Punkten haben wir erstmals in dieser Saison die Situation geschaffen, dass wir aus eigener Kraft den UEFA-Cup-Platz sichern können. Vom Timing her ist das natürlich optimal", sagte der überglückliche Finke, der schon vor dem Saisonfinale im ausverkauften Dreisamstadion gegen den VfL Wolfsburg eine zufriedene Saison-Bilanz zog.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Den Spielern, die in der Szene wegen ihrer Spielweise Breisgau-Brasilianer genannt werden, würde schon ein Unentschieden gegen die Niedersachsen genügen, um zum zweiten Mal nach 1995 in den europäischen Wettbewerb einzuziehen. "Eine große Enttäuschung kann es nicht mehr geben, selbst wenn wir es nicht schaffen sollten. Wir haben auch so eine großartige Saison gespielt", meinte Finke, der mittlerweile im zehnten Jahr erfolgreich in Freiburg arbeitet. Mit dem gestrigen Ergebnis dürfte wohl auch das derzeit größte Probleme der Freiburger leichter zu lösen sein: Dem Verein fehlt immer noch ein Trikotsponsor für die nächste Saison, zumindest fehlt einer, der ca. fünf Millionen Mark bezahlen möchte. So viel erhielt der SC Freiburg bislang von einer Bank. Aber da die nicht mehr existiert, muss die Brustfläche der Trikots mit dem Namen eines neuen Unternehmens beflockt werden.

Davon unbeeinträchtigt ist die Arbeit des Trainers. Immer wieder gelingt es dem 53-jährigen Finke, trotz eines Mini-Etats das Maximale aus dem bunt gemischten Kader heraus zu holen. Mit Stolz und sogar Genugtuung erinnerte Finke an manche Prognosen vor der Saison: "Da haben so genannte Experten in einer Fachzeitschrift alle 34 Spieltage getippt. Wissen Sie was heraus kam? Da war Freiburg mit nur 19 Punkten mit riesigem Abstand Tabellen-Letzter."

Auf diesem deprimierenden Platz rangiert stattdessen einmal mehr der VfL Bochum. Selbst im letzten Heimspiel war dem Revierclub und dem als vermeintlicher Retter gescheiterten 64-jährigen Coach Rolf Schafstall kein Erfolgserlebnis vergönnt. Der Coach war nach der Partie noch so verdattert, dass er sogar das Ergebnis nicht mehr wusste und von einem 2:1 sprach. Dass der vierte Abstieg nach 1993, 1995 und 1999 bei den einst Bochumern schon fast Routine geworden ist, zeigte das Fan-Verhalten im mit 12 332 Zuschauern dürftig gefüllten Ruhrstadion. Statt zu trauern, stürmten tausende VfL-Anhänger den Rasen und feierten mit den Gästen aus dem Schwarzwald.

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