Sport : SC Magdeburg entlässt den Trainer

Gislason scheitert beim Handball-Bundesligisten

Hartmut Moheit

Berlin - Die Nachricht erhielten die Spieler am Mittwochabend in ihrem Urlaub per SMS: Alfred Gislason ist nicht mehr Trainer des SC Magdeburg. Nach einer Krisensitzung zuvor hatte Bernd-Uwe Hildebrandt, der Manager des Handball-Bundesligisten, erklärt: „Wir gehen ab sofort getrennte Wege.“ Der Grund für die vorzeitige Trennung vom studierten Historiker aus Island, der seit 1999 in Magdeburg trainierte, war die sportliche Entwicklung beim Tabellenvierten in der Ersten Liga. Acht Punkte liegt das Team nach 18 Spielen bereits hinter Spitzenreiter Kiel. „Ich musste an die Zukunft des Vereins denken und somit die Notbremse ziehen“, sagte Hildebrandt.

Alfred Gislason wollte sich gestern zu seinem Abschied aus Magdeburg nicht äußern. „Ich bitte um Verständnis dafür“, sagte er auf Nachfrage, „im Moment ist dafür nicht der richtige Zeitpunkt.“ Auch Bernd-Uwe Hildebrandt, der ansonsten für harte Personalentscheidungen bekannt ist, fiel die Trennung von seinem einstigen Erfolgstrainer offensichtlich nicht leicht. „Wir haben mit ihm als erste deutsche Mannschaft die Champions League gewonnen, die Meisterschaft, den Supercup und auch die EM für Klubmannschaften, aber zuletzt hat er die Mannschaft nicht mehr erreicht“, sagte er. „Alfred ist ein großer Trainer und wir sind eine große Mannschaft, dieser Ruf durfte auf beiden Seiten nicht weiter beschädigt werden.“

Mit Nachdruck dementierte Hildebrandt, dass letztlich allein jenes historische 34:54 beim THW Kiel den Ausschlag für die Trennung von Gislason gewesen sei. „Wir haben den Trend beurteilt, alles andere wäre absolut oberflächlich gewesen.“ Er widersprach zugleich auch jeglichen Gerüchten, wonach der ehemalige Magdeburger Spieler Sven Liesegang, der Ex-Nationalspieler Bogdan Wenta oder sogar Bob Hanning, Manager bei den Füchsen Berlin, als neue Trainer im Gespräch seien. „Bis zum Saisonende wird Kotrainer Githa Licu die Mannschaft betreuen“, beteuerte Hildebrand. Erst danach werde die Nachfolge von Gislason, die allerdings so gut wie feststehe, geregelt. Licu beschreibt der Manager als „Weltklassetrainer, der bisher nur in der zweiten Reihe stand“. Erwiesen ist, dass Licu zumindest als rumänischer Nationalspieler zu den Stars zählte.

Bereits vor der Saison hatte Gislason in Magdeburg darum gebeten, ihn aus seinem bis zum 30. Juni 2007 datierten Vertrag zum VfL Gummersbach zu entlassen. Für ihn kam letztlich Velimir Kljaic zu den Oberbergischen, während Gislason nunmehr vertraglich ab dem 1. Juli 2007 an Gummersbach gebunden ist. Hildebrandt bestätigte, dass ihm der SC Magdeburg „keine Steine in den Weg legt, wenn er zunächst woanders ein Angebot bekommt“. Der Manager sagte ebenfalls: „Magdeburg sollte nicht vergessen, was der Verein mit Gislason erreicht hat. Er ist einer der begehrtesten Trainer Europas und für viele Klubs ein interessanter Mann.“

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