Personalie : Diagonale Rochade

Der 22-jährige Sebastian Fuchs löst bei den Volleyballern des SC Charlottenburg allmählich den Routinier Aleksandar Spirovski ab.

Karsten Doneck

Berlin - In der kurzen Pause zwischen zwei Sätzen hatte sich Sebastian Fuchs mit einem Handtuch schnell noch mal die verschwitzten Haare kräftig durch gerubbelt. Dann schritt er mit wild abstehender Mähne und entschlossenem Blick zurück aufs Feld, um das Begonnene fortzusetzen. Dank seiner Einwechslung zu Beginn des zweiten Satzes bekam Volleyball-Bundesligist SC Charlottenburg im Heimspiel gegen die SG Eltmann nach drögem Beginn noch die Kurve, um das Spiel erwartungsgemäß 3:1 zu gewinnen. „Am Anfang hatten wir Probleme. Aber dann haben wir das abgerufen, was wir können. Wenn uns das immer gelingt, können wir in der Bundesliga alle schlagen“, sagte Sebastian Fuchs.

Der 22-Jährige ist mit einer Leistung wie der gegen Eltmann auf allerbestem Wege, auf der im Volleyball eminent wichtigen Diagonalposition einen Routinier wie Aleksandar Spirovski als Stammspieler abzulösen. Das war so sicher nicht vorgesehen. Fuchs kam zu Saisonbeginn von den Hamburg Cowboys nach Berlin. Eine Verpflichtung, die auf den ersten Blick wenig Sinn machte. In Hamburg, beim späteren Absteiger, war Fuchs oft nur Ersatz gewesen. Er hatte sich lange Zeit auf Beachvolleyball konzentriert, „nie ein zielgerichtetes Hallentraining gemacht“, wie SCC-Trainer Michael Warm wusste. Doch dass Fuchs über großes Talent verfügt, war für die Experten offenkundig. „Fast die ganze Bundesliga wollte ihn, auch der VfB Friedrichshafen“, erinnert sich Warm.

Den Zuschlag erhielt der SCC. Obwohl Fuchs seinerseits gleich beim ersten Gespräch mit den Kluboberen seine Rolle klar definiert hatte. „Ich habe beim SCC einen der besten Diagonalspieler der Liga vor der Nase, aber ich möchte von ihm lernen“, sagte Fuchs. Rollen ändern sich. „Spirovski steckt in einem kleinen Formtief“, konstatiert Warm, „vielleicht liegt das auch daran, dass er spürt, dass da für seine Position noch jemand ist.“

Fuchs selbst reagiert gelassen. Da wollte nach dem vorangegangenen Heimspiel gegen Evivo Düren ein Fernsehreporter von ihm wissen, ob das denn jetzt sein Durchbruch gewesen sein. Fuchs fragte entgeistert zurück: „Welcher Durchbruch denn?“ Karsten Doneck

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