Schaaf und Bremen : Eine Ehe kommt in die Jahre

Werder-Trainer Schaaf scheint ungewohnt ratlos, wechselt wild Personal und Systeme, setzt Spieler falsch ein. Zwar brauchen die Bremer nicht unbedingt einen neuen Trainer, aber neue Impulse.

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Graue StimmungFoto: dpa

Es ist ein Gefühl, das sich auch in den besten Ehen einstellen kann, erst recht nach vielen gemeinsamen Jahren, doch es hilft nichts, wenn es erst einmal da ist und flüstert: So wie es ist, geht es nicht weiter. Es ist solch ein Gefühl, dass sich derzeit Bremen wie ein nicht greifbares Gespenst umschleicht.

Dabei ist die Beziehung zwischen Werder und Trainer Thomas Schaaf eigentlich eine Vorzeigeehe: Seit 32 Jahren kennt man sich, seit 11 Jahren ist man fest gebunden, stand in guten wie in schlechten Saisons zueinander. Doch im Herbst 2010 wirkt es bei Schaaf und Werder zum ersten Mal so, als sähen sie sich an und wüssten nicht weiter.

Schaaf scheint ungewohnt ratlos, wechselt wild Personal und Systeme, setzt Spieler falsch ein. Er schafft es derzeit nicht mehr, aus schwierigen Spielertypen Leistungsträger zu formen und mit einer starken Offensive die gewohnten Defensivschwächen auszugleichen. Den schönsten Fußball der Liga spielt Werder längst nicht mehr, den führt eine neue Trainergeneration in Dortmund und Mainz vor.

Nun heißt das aber nicht, dass Bremen und Schaaf sich scheiden lassen sollten. An einer gute Ehe lohnt es sich zu arbeiten. Dafür muss sich Thomas Schaaf aber neu erfinden. Werder braucht nicht unbedingt einen neuen Trainer, aber neue Impulse. Der wortkarge, sture Schaaf müsste mehr kommunizieren, sich von lieb gewonnenen Angewohnheiten und Spielern trennen, neue Dinge ausprobieren und alte Stärken wiederentdecken. Gelingt es ihm, dann kann die längste Romanze der Bundesliga im Sommer auch in ihr 13. Jahr gehen.

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