Schach-WM : Ein Turm bringt Bewegung

Kramniks Sieg verzögert Entscheidung beim Schach.

Martin Breutigam

Bonn - Es ist Spannung aufgekommen bei der Schach-WM. Nachdem Viswanathan Anand uneinholbar in Führung schien, glückte Wladimir Kramnik am Montag sein erster Sieg, dank dem er auf 4:6 Punkte verkürzte. Bleibt abzuwarten, ob Anand in der elften Partie am Mittwoch das zur Titelverteidigung fehlende Remis holt. Falls Kramnik gewinnt, käme es am Freitag zur zwölften und letzten Partie.

Kramnik – Anand (10. WM-Partie): 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 (Nimzowitsch-Indische Verteidigung.) 4.Sf3 c5 5.g3 cxd4 6.Sxd4 0–0 7.Lg2 d5 8.cxd5 Sxd5 9.Db3 Da5 10.Ld2 Sc6 11.Sxc6 bxc6 12.0–0 Lxc3 13.bxc3 La6 14.Tfd1 Dc5 (Zu weißem Vorteil führen würde 14...Lxe2? 15.c4.) 15.e4 Lc4 16.Da4 Sb6 17.Db4 Dh5 18.Te1 (Dass der Turm ohne Not eine offene Linie verlässt und auf eine geschlossene wechselt, wirkt zunächst unlogisch. Üblich sind 18.Le3 oder 18.Lf4. Kramniks Zug richtet sich offenbar gegen das Entlastungsmanöver ...Le2 nebst ...Sc4. Auf 18...Le2 19.h3 müsste Schwarz dann stets mit g3-g4 rechnen.) 18...c5 19.Da5 Tfc8 20.Le3 Le2 21.Lf4! (Mit diesem subtilen Stich lockt Kramnik den nächsten schwarzen Bauern vor.) 21...e5 22.Le3! (Dieses Rückkehrmotiv war Kramniks Plan; nicht 22.Lxe5 Sc4 23.Da6 Dxe5 24.Txe2 Dxc3. Nun nämlich, nach 22.Le3, sind die schwarzen Bauern am Damenflügel leichter angreifbar; die Dame h5 deckt nicht mehr den Punkt c5.) 22...Lg4 (Das nach 22...Sc4 23.Da6 Sxe3 24.Txe2 Sxg2 25.Kxg2 entstehende Schwerfigurenendspiel wäre etwas günstiger für Weiß, weil die schwächelnden schwarzen a- und c-Bauern eher unter Druck geraten als die weißen.) 23.Da6! (Die Dame nimmt dem Springer das Feld c4, sie macht Platz für den eigenen a-Bauern und belästigt nebenbei den Bauern a7.) 23...f6?! (Kramnik bezeichnete hinterher diesen Zug als „entscheidenden Fehler“. Schwarz hätte eher 23...Le6 24.Lf1 Df3 versuchen sollen, „um meinen e-Bauern zu ärgern“. Aber auch dann hätte er mit 25.a4! Vorteil behaupten können.) 24.a4! („Danach hatte ich gemerkt, dass es unglaublich schwierig wird“, sagte Anand.) 24...Df7 25.Lf1 Le6 26.Tab1! c4? (Kramnik wies darauf hin, dass Schwarz nicht länger in der Lage sei, den Punkt c4 zu halten und gab die folgende „hübsche Variante“ an: 26...Kh8 27.a5 Sc4 28.Tb7 Dg8 29.Lh6! gxh6 30.Lxc4 Lxc4 31.Dxf6+. Schlecht wäre 26...Lc4??, wegen 27.Lxc4 Dxc4 28.Txb6. Die zäheste Verteidigung bestand in 26...Tab8.) 27.a5 Sa4 (Oder 27...Sd7 28.Tb7, mit großem weißen Vorteil.) 28.Tb7 De8 29.Dd6! (Anand gab auf. Es droht 30.Te7; Falls z.B. 29...Lf7, so 30.Db4!) – 1:0. Martin Breutigam

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