Schach-WM : Springer im Zentrum

Nach seiner Niederlage in der dritten Wettkampfpartie zeigt sich Wladimir Kramnik ungerührt. In der vierten Partie erreicht er mit Schwarz ein sicheres Remis. Weltmeister Viswanathan Anand sah ein: "Ich hatte nichts Besonderes".

Martin Breutigam

BonnDie schwarzen Limousinen kamen später als erwartet. Es war schon kurz vor drei Uhr, als erst Wladimir Kramnik, dann Schachweltmeister Viswanathan Anand samt Begleitung vorgefahren wurden und in die Bonner Bundeskunsthalle eilten. Drinnen setzte der Schiedsrichter die Schachuhr pünktlich in Gang, aber Anand und Kramnik traten erst eine Minute später zu ihrer vierten WM-Partie ans Brett. Glück für beide, dass in Bonn nicht jene umstrittene neue Regel gilt, die erstmals im November bei der Schacholympiade in Dresden angewendet werden soll: Wer dort zu spät kommt, hat verloren.

Glück auch für die Zuschauer im voll besetzen Haus, Anand und Kramnik wieder kämpfen zu sehen. Obgleich nicht so spektakulär wie am Vortag, als Anand in großem Stil die dritte Partie gewonnen hatte. In Führung liegend, ließ es der Inder diesmal mit Weiß ruhiger angehen: remis nach 29 Zügen. „Schwarz stand sehr bequem, ich hatte nichts Besonderes“, sagte Anand. Kramnik zeigte sich gut erholt von seiner Niederlage. Scheinbar riskant, aber strategisch tief durchdacht schob der Russe seine Bauern am Königsflügel vor, um für seinen Springer einen dominanten Platz im Zentrum zu sichern. „Es besteht kein Grund zur Panik“, sagte Kramnik. „Meine Zeit wird kommen.“

Vor der heutigen fünften Partie führt Anand mit 2,5:1,5 Punkten.

Anand – Kramnik (4. WM-Partie): 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Le7 (Klassisches Damengambit.) 5.Lf4 0–0 6.e3 Sbd7 7.a3 c5 8.cxd5 Sxd5 9.Sxd5 exd5 10.dxc5 Sxc5 11.Le5 Lf5 12.Le2 Lf6 13.Lxf6 Dxf6 (Der isolierte Bauer d5 könnte typischerweise dann schwach werden, wenn es z.B. Weiß gelänge, die Springer und Läufer abzutauschen, um anschließend mit den Schwerfiguren auf der d-Linie Druck zu machen. Doch der Bauer d5 hat auch Vorteile: Er kontrolliert die Felder e4 und c4. Keinerlei Vorteile brächte Weiß aber jetzt 14.Dxd5 Dxb2 15.0–0 Tac8.) 14.Sd4 Se6 15.Sxf5 Dxf5 16.0–0 Tfd8 17.Lg4 De5 18.Db3 (Verfrüht wäre 18.Lxe6?, wegen 18...fxe6, was den d-Bauer schützt.) 18...Sc5 19.Db5 b6 20.Tfd1 Td6 21.Td4?! (Hinterher hielten beide Spieler 21.Tac1 für genauer.) 21...a6 22.Db4 h5! 23.Lh3 Tad8 24.g3 g5! („Ich wollte einfach den Läufer von der Diagonale h3-c8 abdrängen, damit ich den Springer nach e6 spielen kann“, erklärte Kramnik diesen Bauernvorstoß. Hier wäre 24...Se6?! 25.Lxe6 fxe6 bedenklich, weil Schwarz an beiden Flügeln leicht geschwächt ist.) 25.Tad1 g4 26.Lg2 Se6 (Hier zeigt sich, weshalb 21.Td4 ungenau war.) 27.T4d3 d4 28.exd4 Txd4 29.Txd4 Txd4 – remis.

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