Schach-WM : Wie sich Anand Topalows Kombinationskunst entzieht

Vor dem Duell um die Schach-WM hatte Wesselin Topalow angekündigt, während der Partien kein Wort mit Weltmeister Viswanathan Anand zu wechseln. Von ihm werde es keine Remisangebote geben, lautete die Kampfansage des bulgarischen Herausforderers.

Martin Breutigam

Berlin Und als am Dienstag, gegen Ende der dritten Partie im Military-Club von Sofia, das erste Remis unvermeidlich war, besiegelten es die Großmeister tatsächlich nicht auf die übliche Weise mündlich. Topalow winkte lieber den Schiedsrichter her, der das offensichtliche Remis bestätigen sollte. Beide vergaßen dann auch noch den obligaten Handschlag, nahmen es hinterher aber gelassen. „Vielleicht sollten wir vor dem Handschlag erst den Schiedsrichter fragen“, sagte Anand. Nach verpatztem Start hat der Inder seinen Humor offenbar wieder gefunden. Und gestern legte er in der vierten von zwölf Partien nach: Ein brillanter Angriffssieg brachte Anand mit 2,5:1,5 in Führung.

Mit einem brillanten Angriffssieg ging Anand mit 2,5:1,5 in Führung

Wie wandlungsfähig er ist, zeigte er in den jüngsten Partien. Als Kombinationskünstler gefallen ihm normalerweise verwickelte Stellungen; auf diese Weise überlistete Anand den Strategen Wladimir Kramnik im WM-Kampf 2008. Weil Topalow jedoch eher ein Kombinationsspieler als Stratege ist, hat Anand aus der Auftaktniederlage Konsequenzen gezogen. Interessanterweise setzte er Topalow ab der zweiten Partie typische Kramnik-Eröffnungen vor. Solides, klassisches Schach. „Das ist sein Universalstil, er kann alles spielen“, sagt Hans-Walter Schmitt, Anands Delegationsleiter in Sofia. In solch übersichtlichen Stellungen komme es „auf den besseren Schachspieler an.“

Das junge Schachgenie Magnus Carlsen, Weltranglisten-Erster vor Topalow und Anand, hält die Rolle der Eröffnungen ohnehin für überschätzt. „Ich denke, das Match wird eher durch das praktische Spiel am Brett entschieden und nicht durch Eröffnungsvorbereitung“, sagt Carlsen. Andererseits zeigt zum Beispiel eine Feinheit, die in der dritten Partie im Verborgenen blieb, wie tief beide Lager vorab selbst solch trockene Stellung analysiert haben müssen (siehe Analyse).

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