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Schalke 04 : Rangnicks nächste Ehrenrunde

Ralf Rangnick übernimmt wie erwartet den Trainerposten bei Schalke 04. Er erhält einen Vertrag bis 2014 und wird erstmals im Auswärtsspiel beim FC St. Pauli am 1. April auf der Bank sitzen.

Richard Leipold
Ralf Rangnick gibt bald wieder Anweisungen bei S04.
Ralf Rangnick gibt bald wieder Anweisungen bei S04.Foto: dapd

Zu Horst Heldts Lieblingsausdrücken gehört das Modewort „zeitnah“. Am frühen Donnerstagnachmittag gebrauchte er diesen Begriff beinahe inflationär. Gerade erst aus dem Schatten des tags zuvor entlassenen Felix Magath getreten, kündigte der Manager des FC Schalke 04 im kleinen Kreis eine „zeitnahe“ Lösung für die Besetzung des Cheftrainerpostens an. Wie weit die Entscheidung schon gediehen war, dass sie vermutlich schon gefallen war, ahnten die Zuhörer in einem Konferenzraum der Geschäftsstelle noch nicht. Am Ende des Gesprächs verblüffte Heldt sein Publikum mit der Vorhersage, dass es sich wohl nur noch um Stunden handeln könnte, bis er einen Namen präsentieren werde. Ein paar Minuten später bestätigte der Revierklub, was viele erwartet hatten – nur eben nicht so zeitnah. Ralf Rangnick wird neuer Cheftrainer des FC Schalke 04. Der 52 Jahre alte Fußball-Lehrer unterzeichnete einen bis zum 30. Juni 2014 laufenden Vertrag. Rangnick soll am Montag offiziell vorgestellt werden und noch am selben Tag seine Arbeit aufnehmen. Beim Bundesliga-Auswärtsspiel an diesem Sonntag sitzt als Interimstrainer Seppo Eichkorn, einer von Magaths früheren Assistenten auf der Bank. Am Donnerstagabend gab der Klub die Trennung von Co-Trainer Bernd Hollerbach und Konditionstrainer Werner Leuthard bekannt.

Damit hat der Bundesliga-Zehnte die Nachfolge Magaths binnen dreißig Stunden umfassend geregelt. Der vormals starke Mann war am Mittwochmorgen vom Aufsichtsrat als Vorstandssprecher abberufen und auch als Trainer und Sportdirektor entlassen worden. Seine Aufgaben im Management hatte der Aufsichtsrat mit sofortiger Heldt zugewiesen, der seit Saisonbeginn für Schalke arbeitet, sich aber monatelang im Hintergrund halten musste, um Magaths Kreise nicht zu stören. Heldt hatte sich schon in Stuttgart von Rangnicks Stärken überzeugen können. Die beiden haben zwar nicht gemeinsam beim VfB gearbeitet. Doch als Heldt Sportdirektor bei dem schwäbischen Klub wurde, profitierte er von den Strukturen, die der Trainer Rangnick dort geschaffen hatte. Heldt schätzt vor allem die „ganzheitliche Herangehensweise“, die Rangnick auszeichne.

Später sind sich die beiden als Konkurrenten des Öfteren auf den Nebenplätzen des Fußballs begegnet, wenn es darum ging, junge Spieler aus der Region anzuwerben. Während Rangnick im Dienste der TSG 1899 Hoffenheim unterwegs war, suchte Heldt für den VfB nach Talenten. „Das war mitunter anstrengend", sagt Heldt. „Mal war er schneller, mal war ich schneller.“ Schon bei diesem Wettlauf zeigte sich, dass beide häufig die gleichen Vorstellungen vom Anforderungsprofil hatten, das gerade junge Spieler erfüllen müssen. Jetzt wollen sie gemeinsam den zweitgrößten deutschen Fußballverein neu ausrichten. Nach der Alleinherrschaft Magaths ist von dem Duo Heldt/Rangnick eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zu erwarten. Ursprünglich hatte Rangnick nach seiner Trennung von 1899 Hoffenheim in dieser Saison keine neue Stelle mehr antreten wollen. Der Reiz, nach Schalke zurückzukehren, war offenbar so groß, dass der Trainer umdachte, zumal noch attraktive Herausforderungen warten. Schalke steht im Viertelfinale der Champions League und im Endspiel des DFB-Pokals.

Rangnick wird während der Länderspielpause in der kommenden Woche Zeit bekommen, seine neue Mannschaft kennenzulernen. Den Klub kennt er bereits gut. Rangnick arbeitete schon von September 2004 bis Dezember 2005 auf Schalke. Er führte die Mannschaft aus der Abstiegszone heraus und zum Saisonende auf den zweiten Tabellenplatz und ins Pokalendspiel.

Dennoch verdüsterte sich das Verhältnis zu Rudi Assauer, dem zu jener Zeit noch mächtigen Manager, der mit dem intellektuell und perfektionistisch veranlagten Rangnick nicht viel anzufangen wusste und zögerte, dessen Vertrag zu verlängern. Nach knapp fünfzehn Monaten musste Rangnick gehen. Er nahm seinen Abschied mit einer Ehrenrunde vor dem letzten Hinrundenspiel gegen Mainz gewissermaßen vorweg. „Das war eine emotionale Ausnahmesituation“, sagte Rangnick später und räumte ein, dass einige Spieler und der Vorstand diesen Auftritt „als Provokation aufgefasst haben“. Die meisten Fans hingegen begleiteten jene Stadionrunde mit Beifall. Emotional also ist der Boden für eine Rückkehr nach Schalke also durchaus bereitet.

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