Sport : Schalke - Hertha: Wider die graue Theorie

Stefan Hermanns

Mit theoretischen Erkenntnissen ist das so eine Sache. Grau soll sie sein, die Theorie, also nur bedingt aussagekräftig. Zuletzt hat dies der FC Schalke 04 bewiesen. Theoretisch dürften die Schalker fünf Wochen vor Ende der Saison allenfalls noch um einen Platz im Uefa-Cup spielen, praktisch aber gelten sie im Moment als erster Anwärter auf den Gewinn der Meisterschaft. Vor einigen Wochen, nach einer Schwächeperiode, schien das Thema bereits endgültig durch zu sein, zumal Schalkes nächste Gegner damals Leverkusen, Kaiserslautern, Bayern und Hertha BSC hießen. "Die Schalker haben drei Sechs-Punkte-Spiele in Folge gewonnen", sagt Dieter Hoeneß, Manager des Berliner Fußball-Bundesligisten. "Das ist schon klasse, was sie in den letzten Wochen geleistet haben." Am Sonnabend nun besitzen die Schalker die Gelegenheit, "ihr Meisterstück abzuliefern", sagt Hoeneß. Gegen Hertha.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Theoretisch hat der neue Tabellenführer der Bundesliga neben Dortmund von allen sechs Anwärtern auf den Titel das leichteste Restprogramm. "Sie haben auf dem Papier noch einen Stolperstein", sagt Hoeneß, "das ist Hertha BSC." Was auf den ersten Blick für Schalke spricht, spricht auf der anderen Seite gegen Hertha: das Restprogramm. In den letzten fünf Spielen treten die Berliner noch gegen drei Spitzenteams an. Dass dies nicht ein Nachteil sein muss, haben die Schalker in den vergangenen drei Wochen vorgemacht. "Es kommt immer auf die Sichtweise an", sagt Hoeneß.

Zumindest haben die Herthaner nach Aussage ihres Managers nicht vor, im Parkstadion "die Staffage für eine vorgezogene Meisterfeier abzugeben". Von einer eigenen Meisterfeier wollen die Berliner immer noch nicht sprechen, obwohl sie mit einem Sieg auf Schalke zum Tabellenführer aufschließen könnten. Diskussionen darüber, was dann noch möglich wäre, hält Hoeneß im Moment für hypothetisch. Andererseits: "Dieser Diskussion würden wir uns gerne stellen."

Hoffnung schöpfen die Berliner vor allem aus dem Sieg gegen Borussia Dortmund. "Wir haben uns eindrucksvoll zurückgemeldet", sagt Herthas Trainer Jürgen Röber. Für Hoeneß war das 1:0 der Beweis, "dass wir in der Lage sind, gegen Topteams zu gewinnen". Diese Erkenntnis kommt fünf Spieltage vor Saisonende reichlich spät; immerhin haben die Berliner noch dreimal die Möglichkeit, ihre neue Abgebrühtheit im Duell mit Konkurrenten um höhere Weihen zu bestätigen. Jürgen Röber kann zudem im Gelsenkirchener Parkstadion aller Wahrscheinlichkeit nach die zuletzt kranken und angeschlagenen Spieler einsetzen. Michael Preetz, Alex Alves und Kostas Konstantinidis haben das Training wieder aufgenommen; lediglich der gesperrte Pal Dardai wird fehlen.

Trotzdem spricht vieles für Schalke. Zumindest in der Theorie. Der letzte Berliner Sieg auf Schalke liegt mehr als 30 Jahre zurück. Dieter Hoeneß lässt sich durch solche Statistiken nicht schrecken: "Wir haben in dieser Saison schon drei Serien beendet", unter anderem in Bochum gewonnen, was nie zuvor gelungen war. Und 30 Jahre höre sich nur deshalb so dramatisch an, weil "man 20 Jahre nicht gegeneinander gespielt hat".

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