Sport : Schizophrene Funktionäre

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Größen des Sports auf der ganzen Welt haben sich in den vergangenen Tagen wort- und gestenreich von Nelson Mandela verabschiedet. Thomas Bach, Joseph Blatter, Muhammad Ali, Pelé, Usain Bolt, Tiger Woods: Sie alle würdigten den am Donnerstag verstorbenen südafrikanischen Nationalhelden. Partien der Premier League wurden erst nach einer Schweigeminute angepfiffen, Rugbyspieler und Golfer traten mit Trauerflor an. Auch Didier Drogba und Emmanuel Eboue zeigten ihren Respekt für Mandela, die beiden ivorischen Fußballer von Galatasaray Istanbul zogen am Freitag nach einem Ligaspiel gegen Elazigspor ihre Trikots aus und enthüllten T-Shirts mit den Slogans: „Ruhe in Frieden Mandela“ und „Danke Madiba“. Nun sollen sie dafür bestraft werden, das Disziplinarkomitee des türkischen Verbands TFF ermittelt – eine schizophrene Reaktion.

Offizielle Beileidsbekundungen, wie auch bei der WM-Auslosung in Brasilien, sind in der Sportwelt erwünscht. Wenn sich Athleten aber rein privat äußern und nicht als Vertreter eines Verbands oder eines Klubs, müssen sie stets mit Strafen rechnen. Die Angelegenheit Drogba/Eboue ist allerdings auch ein spezifisch türkischer Fall: Der TFF versucht angesichts der angespannten innenpolitischen Lage krampfhaft, Politik und Fußball zu trennen. Zuletzt wurden sogar Spieler des Zweitligisten Fethiyespor vor die Disziplinarkommission gezerrt, weil sie mit Buchstaben auf ihren T-Shirts die Worte „Yüce Atatürk“ (Erhabener Atatürk) gebildet hatten – und damit den Staatsgründer der modernen Türkei ehren wollten.

Falls der TFF Drogba und Eboue tatsächlich bestraft, macht er sich nicht nur lächerlich. Er würde auch zeigen, dass die Verbandsfunktionäre überhaupt nicht verstanden haben, was Nelson Mandelas Botschaft war. Oder dass sie Zivilcourage und Toleranz sogar fürchten.

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