Sport : Schlank und stark

Der Schalker Gerald Asamoah hat sich zum Erfolg gefastet

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Ebbe Sand und Victor Agali dürfen sich allmählich Sorgen machen. Die beiden profilierten Fußballspieler hatten lange als erster Sturm auf der Besetzungsliste des FC Schalke 04 gestanden. Inzwischen müssen sie sich als Ersatzspieler bereithalten. Sie haben ihre Stammplätze verloren: an Mike Hanke, einen Nachwuchsstürmer, dessen Vertrag bis 2007 verlängert wurde, und an Gerald Asamoah, der aus dem Mittelfeld in die Sturmspitze zurückgekehrt ist und dort plötzlich wieder Spitzenleistungen zeigt. Für Agali und Sand ist derzeit kein Platz mehr, selbst wenn sie in Kauf nähmen, ins Mittelfeld auszuweichen wie einst Asamoah, nachdem er aus dem Angriff verdrängt worden war.

Beim 2:1 über Borussia Mönchengladbach war die neue Rollenverteilung nicht zu übersehen. Sand durfte erst sieben Minuten vor Schluss Hanke ersetzen, Agali blieb 90 Minuten draußen, Asamoah dribbelte wie ein Tänzer, und der schnelle Seitz schoss die beiden Tore, die für Schalke gegen eine nahezu gleichwertige Gladbacher Mannschaft den Unterschied ausmachten.

Verkehrte Welt auf Schalke. Als viele etablierte Kräfte, darunter auch Sand und Agali, verletzt waren, gelang es Asamoah, Seitz und zunächst auch Hanke nicht, sich einen Stammplatz zu erkämpfen. Nun, da sich die personelle Situation entspannt, haben sie sich in die Startelf vorgekämpft. Mit einem Mal geht ihnen die Arbeit leicht vom Fuß. „Es ist ein hervorragendes Gefühl, ein Heimspiel vor so einer Kulisse zu entscheiden“, sagte Seitz, nachdem er seine ersten beiden Bundesligatore für Schalke erzielt hatte.

Der optische Eindruck des Sonntagsspiels lässt sich sogar statistisch belegen: Wenn Asamoah und Seitz zusammen in der Startelf stehen, passt vieles zusammen. Von den drei Begegnungen, die sie gemeinsam begannen, gewann Schalke drei, darunter die jüngsten beiden, die für den aktuellen Tabellenneunten eine leichte Tendenz nach oben andeuten. Während sich Seitz gegen Mönchengladbach zum ersten Mal, seitdem er für Schalke spielt, an Toren messen ließ, wäre Asamoah nach dem Abpfiff am liebsten auf die Waage gegangen, um seine gute Leistung auch in Zahlen zu messen. Der frühere Nationalspieler hat buchstäblich schwere Zeiten hinter sich, dribbelt aber jetzt so flink wie früher durch die gegnerische Hälfte. Seitdem Asamoah gegen Übergewicht angeht, spürt er wieder die Leichtigkeit des Seins, die ihn einst ausgezeichnet hatte. „Jeder wusste, dass ich ein paar Kilo Übergewicht hatte“, sagt er. „Daran habe ich gearbeitet, jetzt fällt mir manches leichter.“

Von den Boulevardzeitungen war er schon als „Brummer“ verspottet worden. Das Heilfasten hat ihn stark gemacht. Und jetzt hat Asamoah wieder bessere Argumente im Konkurrenzkampf mit Sand und Agali. Während Seitz den Beifall eines Hauptdarstellers zum ersten Mal genießt, ist Asamoah zurück in die Zukunft gedribbelt.

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